Titel: Ulrich-von-Hutten Gymnasium rief und der Flughafenchef kam

Hartmut Mehdorn: „Der BER ist zu klein geplant worden“

Nicht etwa, dass der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH seinen Wohnort nach Lichtenrade verlegt hat, aber einer Schülerdiskussion stellte sich Hartmut Mehdorn (71) gerne. In der voll besetzten Aula der Ulrich-von-Hutten Schule in Lichtenrade begrüßte Schulleiter Thomas Hungs am 13. November den Manager, der sich trotz eines dichten Terminkalenders die Zeit für die Diskussion genommen hat, die von den Schülern selbst moderiert wurde.

Als Aufhänger für die Einladung von Hartmut Mehdorn wurden die Schulaktivitäten im Rahmen des „Green Day 2013“ genommen. Der Leistungskurs Politikwissenschaft von Michael Dannenberg nimmt am Projekt JuniorTech vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln teil. Projektaufgabe ist es, zum Thema „Energiewende“ eine Geschäftsidee für eine fiktive Schülerfirma zu entwickeln und diese in einem Businessplan und einem Videoclip festzuhalten. Die Schülerinnen und Schüler planen im Bereich der „Elektromobilität“ eine  Mietwagenstation am Flughafen BER. Die Besonderheit dabei ist, dass zu 100 Prozent Elektrofahrzeuge verwendet werden, die ausschließlich mit erneuerbaren Energien beladen  werden sollen. Ein Videoclip wurde präsentiert und die Geschäftsidee mit Hartmut Mehdorn diskutiert. Mehdorn, der schon Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn war und die Air Berlin geleitet hat, erläuterte die Schwierigkeiten: „Bei Unternehmensgründungen müssen vorher genau die Risiken geklärt werden… Mit Geld spielt man nicht!“ Er sagte den Schüler zu, dass er gerne bereit ist sich zur Realisierbarkeit konkreter zu äußern, wenn wichtige Meilensteine in der Projektierung erreicht sind.

In einem zweiten Themenkomplex diskutierten Schüler des Wahlpflichtkurses Sozialwissenschaft der 9. Klasse die Probleme rund um Planung und Bau des BER. Der Leistungskurs Politikwissenschaft von Carmen Stüdemann hatte als Themenschwerpunkt „Manager in der Bundesrepublik: zwischen sozialer Verantwortung und Gewinnmaximierung" gewählt. Hartmut Mehdorn legte sich vor den circa 100 Schülern nicht auf einen Fertigstellungstermin fest: „98 Prozent sind fertig.“

Die Verzögerung der Fertigstellung „nervt“ den Manager. Anderseits  erläutert er, dass ein neues Brandschutzsystem sein muss: „Es geht um Sicherheit. Damit ist nicht zu spaßen.“ In diesem Zusammenhang sind besonders die Be- und Entlüftungsfragen zu klären. „Das Problem ist, dass der Flughafen zu klein gestartet ist,“ erläutert Hartmut Mehdorn. Schon jetzt  wären die Kapazitätsgrenzen des BER erreicht: „Planungsfehler hätte man vermeiden können; aber hinterher ist man immer schlauer.“ Zur Flugrouten- und damit auch Lärmproblematik  sagt er eindeutig: „Es geht nicht ohne Lärm!“ Wer die Vorteile von Mobilität haben will, muss auch Nachteile in Kauf nehmen, sagt Mehdorn: „Ohne Mobilität geht keine Wirtschaft.“. Er will aber den Lärm nicht zum Schreckgespenst machen: „Da muss man auch die Kirche im Dorf lassen.“ Lärm gäbe es auch an der Autobahn oder neben Eisenbahnstrecken. Wenn es nach Mehdorn gehen würde, hätte er am liebsten einen 24-Stunden-Betrieb:„Keine Hauptstadt der Welt hat seinen Flughafen nicht 24 Stunden geöffnet.“ Er verwies auf  den Kompromiss zum Nachtflug und auf die verschiedensten Lärmschutzmaßnahmen.

Er könne die besorgten Einwohner verstehen, erläuterte Mehdorn auf kritische Schülernachfragen. Mit den Lärmschutzfenstern könnte man die Fenster schließen „und dann hören Sie auch nichts.“ Zu konkreten Flugrouten, auch über Lichtenrade, nahm Mehdorn keine Stellung. Er verwies auf die umfangreichen Abstimmungsprozesse aller Beteiligten: „Es muss juristisch abgearbeitet werden.“

Besonders Augenmerk legten die Schülerinnen und Schüler auf die Situation der Einzelhändler im BER, die von der Verschiebung der Flughafeneröffnung hautnah betroffen sind. Hier ließ Mehdorn keinen Zweifel, dass dies zum unternehmerischen Risiko gehört. Mit den 116 Geschäften ist man in engem Kontakt. Hartmut Mehdorn ist trotz vieler Kritik zuversichtlich,
dass nach Fertigstellung der Flughafen schnell durch Taten überzeugen wird.

Die Veranstaltung fand in der Reihe „UvH redet mit!..." statt. Gäste waren bisher u. a. Peer Steinbrück, Renate Künast, Martin Lindner, Ramona Pop. Mit Hartmut Mehdorn wurde zum ersten Mal ein Gast aus der Wirtschaft für eine Diskussion gewonnen.

Thomas Moser
www.lichtenrade-berlin.de
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