Geflügelzüchter Happe und der Rassegeflügelzüchterverein

Züchterverein sollte auch beim Schutz gegen Diebstahl helfen

Eng verbunden mit dem Rassegeflügelverein war der Geflügelzüchter Siegfried Happe, auf dessen elterlichen Hof in Alt-Lichtenrade von 1980 bis 2005 alljährlich im Spätsommer Ausstellungen für die Öffentlichkeit stattfanden. Der Gebäudekomplex, ein typischer märkischer Bauernhof aus dem Jahre 1856 und 1899 bot eine idyllische Kulisse für all das prächtige Federvieh.

Jahr für Jahr lockte die Schau viele Besucher an. Hier begeisterten die ausgestellten Hühner, Zwerghühner, Enten, Gänse und Tauben insbesondere Kinder, die die Tiere streicheln durften. Züchter Happes Stolz war zum einen seine Taubenzucht. So gewann er mit seinen „Coburger Lerchen“(Bild unten), auf der Grünen Woche diverse Preise.

Zum anderen züchtete er erfolgreich bei den „Holländischen Zwerghühnern“ den goldweizenfarbigen Farbenschlag heraus. Auch im Hähnekrähen - Wettbewerb konnten seine Hähne beachtliche Leistungen vorweisen, was wiederum mit etlichen Pokalen belohnt wurde.

Die Preisverleihungen durch Preisrichter, die immer nach der Mauser des Federviehs am Totensonntag im November stattfanden, wurden an unterschiedlichen Orten in Lichtenrade vollzogen.

So zum Beispiel im November 1985 im alten Dorfkrug am Lichtenrader Dorfteich. Hier kamen 43 Züchter aus ganz Berlin mit insgesamt 350 gefiederten Freunden. Um einen der vier Preise zu ergattern, mussten bei den Hühnern der Kamm schön gerichtet und die Farbe stimmen. Züchter Happe bekam vom damaligen Bezirksbürgermeister und Schirmherr der Ausstellung, Siegmund Jaroch, einen Preis für die schönste Taube.

Aber wozu gründeten 1911 eigentlich sechs Bauern und Kaufleuchte aus Lichtenrade, Mahlow, Dahlewitz und Ziethen einen Rassegeflügelzüchterverein?

Vorrangig sollte die Geflügelzucht verbessert werden um möglichst hohe Erträge bei der Legeleistung der Hühner, zu erzielen.

Es wurden einheitliche Richtlinien zur Haltung der Tiere geschaffen. So sollten diese in hellen, luftigen und sauberen Ställen gehalten werden.

Auch die Fütterung mit entsprechendem Futtermittel wurde festgehalten.

Ferner sollte die Möglichkeit einer Geflügelversicherung geschaffen werden. Diese hielt man für erforderlich, da im Laufe des Winters 1911 wiederholt Hühnerdiebstähle lt. Auszug aus der „Lichtenrader Zeitung“ vom 28.03.1911, zu verzeichnen waren. Bei einer Einwohnerzahl von 3.586 Zeitgenossen traten bis zum Jahresende 16 Personen den Verein bei.

Mit der Gründung des Vereins wurden auch die ersten Ausstellungen ins Leben gerufen, die aber durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen und erst 1920 wieder regelmäßig stattfanden. Da nach dem Krieg das Futter knapp war stellte man auf Ersatzfutter um, das die Vereinsmitglieder durch die damalige Reichsregierung erhielten.

Die Teilung der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg schrumpfte die Mitgliederzahl. Neue Mitglieder kamen ausschließlich aus West-Berlin. (Lichtenrade, Tempelhof, Marienfelde und Bukow) Der Ausstellungsorte blieben fortan ausschließlich im Ort.

Nach dem Fall der Mauer fand ab 1990 die erste gemeinsame Ausstellung mit umliegenden Gemeinden statt. (Mahlow, Rangsdorf) Erstmals bei dieser Ausstellung schrieb die Veterinäraufsicht von Tempelhof eine Impfplicht vor. Auch eine Jugendgruppe wurde ins Leben gerufen.

Mit der Öffnung der Grenzen und den daraus resultierenden Möglichkeiten verschwand allmählich die Begeisterung für das einheimische Federvieh, sodass sich der Verein 2007 auflöste.

Auch wenn Siegfried Happe die Tauben- und Geflügelzucht längst an den Nagel gehangen hat, konnte er sich doch ein kleines Juwel bewahren. Versteckt in einer Ecke hinter dem Hof und in unmittelbarer Nähe seiner Wohnung befindet sich ein kleiner Taubenschlag mit kleinem Tiergehege davor, in dem es noch freilaufende glückliche Hühner gibt. 

Marina Heimann

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