Eigentlich ‘trauriges’ Jubiläum in der Finchleystraße

Lichtenrader Suppenküche kann viel mehr als Supppen

Die Suppenküche Lichtenrade e.V. ist eine bekannte Institution im Berliner Süden. In einem Bungalow am Graben in der Finchleystraße 11 werden Sonntag für Sonntag circa 150 Suppen und ein gesunder Nachtisch ausgegeben.

Vor 10 Jahren, im April 2005, startete die Lichtenrader Suppenküche in der heute noch existierenden Form; nur der Ort musste zwischendurch mal wechseln. Die Idee hatte bereits 2003 der inzwischen verstorbene evangelische Seelsorger Ernst-Ludwig Koch. Es fing zunächst mit 10 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern an, die am 4. September 2005 ungefähr 10 Gäste bekochten. Die erste bunte Gemüsesuppe und ein Obstsalat wurden ausgegeben. Ein bedeutsamer finanzieller Anschub wurde von der katholischen Salvator-Gemeinde geleistet. Tische und Stühle mussten angeschafft und überarbeitet werden. Kleinere Umbauten mussten erfolgen und viele „Kleinigkeiten“ waren zu organisieren. Nach und nach wurde ein Großkücheninventar erworben, weil dass die notwendige Grundlage für die gut besuchte Suppenküche ist. Bei allen Aspekten mussten selbstverständlich immer die hygienischen Vorschriften beachtet werden.

Für die Suppenküche war und ist wichtig, dass jeder, der Hilfe benötigt, sie auch erhält. Die Essensausgabe und die anschließende Lebensmittelausgabe erfolgen ohne Ansehen der Person, des Alters, der Herkunft und Religion. Jeder erhält ein kostenfreies warmes Essen. Die Suppenküche verzichtet ganz bewusst auf den Nachweis der finanziellen Bedürftigkeit. In der Suppenküche ist man überzeugt, dass sich die Menschen nicht ohne Not lange anstellen und in beengten Räumlichkeiten essen. Die Leiterin der Suppenküche Alex Benkel-Abeling: „Bitte glauben sie mir, dass man den Menschen die Armut leider allzu oft ansieht.“ Auch durch Krankheit in Armut geratene Mitbürger, darunter viele Rentner, gehören zum Kundenkreis der Suppenküche.

Die Suppenküche lebt nur von Spenden und von ehrenamtlicher Arbeit. Zurzeit sind circa 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aktiv. Weitere Hilfe, in den unterschiedlichsten Feldern, ist jedoch erwünscht. Hilfe wird beim Transport der Lebensmittel, bei der Essenszubereitung oder Ausgabe oder für die Pflege der Internet-Website benötigt. Die Lebensmittelspenden werden jede Woche am Freitag und Samstag eingesammelt und am Sonntag wird die Suppe gekocht und die Lebensmittelausgabe vorbereitet. Ab 12 Uhr beginnt dann die Essensausgabe. Für viele Menschen ist die Suppenküche mittlerweile auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt geworden.

Als Spenden sind die Lebensmittelspenden der Geschäfte die wichtigste Grundlage. Ohne Lebensmittel kann es keine Suppe geben. Die Geld-Spendenquellen sind genauso wichtig, da es verschiedenste Betriebsausgaben gibt und Anschaffungen immer wieder dringend notwendig sind. Als regelmäßige Spenden kann auf die von Kunden nicht eingelösten Pfandbons von Edeka-Reichelt in der Goltzstraße und von Edeka-Gayermann am Schichauweg (Barnetstraße 41/42) zurückgegriffen werden.

Die Suppenküche freut sich immer wieder über Einzelspenden. Darüber hinaus organisieren die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer Beköstigungsstände zum Beispiel beim Lichtermarkt. Auch diese Einnahmen werden für die
Kosten in der Suppenküche benötigt.

Die Suppenküche hat viel Kontakt zu Vernetzungspartnern, die bei Umbauten und Reparaturen die Einrichtung tatkräftig unterstützen. Neue Mitglieder sind im Förderverein der Suppenküche herzlich willkommen.

Die Suppenküche ist in den verschiedensten sozialen Feldern tätig. Seit mehreren Jahren läuft eine enge Kooperation mit dem Georg-Büchner-Gymnasium. Im Projekt „Soziale Jugendbildungsarbeit“ lernen die Schüler aus meist gutsituierten Elternhäusern Aspekte von Armut kennen. Außerdem lernen sie, dass man ohne große finanzielle Mittel vor Ort Hilfe leisten kann. Und so ganz nebenbei bekommen die Schüler einen neuen Blick auf Lebensmittel, da die Suppenküche Lebensmittel verwendet, die die jungen Menschen sonst vermutlich entsorgen würden.

In der Suppenküche sind regelmäßig junge Erwachsene und Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe. Die jungen Menschen leisten in der Suppenküche Sozialstunden ab und lernen so ganz nebenbei Sozialkontakte mit ganz anderen Menschen zu pflegen und auch Ausdauer und Zuverlässigkeit. Übrigens ist der Kontakt mit diesen Jugendlichen auch für die Schüler sehr hilfreich. Von der Stiftung SPI und dem Diversionsbüro „Schadenswiedergutmachung statt Strafe“ wird für straffällig gewordene Jugendliche und Heranwachsende freiwillige gemeinnützige Arbeit vermittelt. Die Suppenküche leistet in diesem Rahmen eine Arbeit mit pädagogischen Ansätzen.

Die Suppenküche ist in Lichtenrade eine soziale Einrichtung, die nicht mehr wegzudenken ist. Eine Sorge sind die Räumlichkeiten, mit denen man an die Kapazitätsgrenzen gestoßen ist. Die Zukunft wird zeigen, ob es hier Möglichkeiten einer räumlichen Veränderung gibt. In der Suppenküche sieht man hautnah, dass Armut auch in Lichtenrade ein wachsender Bereich ist.

Der mit 1000 Euro dotierte Förderpreis vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg wurde der Suppenküche Lichtenrade Ende Februar, nach Redaktionsschluss für diese Ausgabe, übergeben. Wir gratulieren!

Thomas Moser
www.lichtenrade-berlin.de
Lichtenrader Internetzeitung - Nachrichten und vieles Neues

www.suppenkueche-lichtenrade.de

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