Siedlung wurde in den 50er Jahren fertiggestellt

Echte Gartenstadtsiedlung im Lichtenrader Dichterviertel

Die Gartensiedlung Lichtenrade wurde 1955 angelegt und befindet sich auf einem 5,7 Hektar großen Gelände im sogenannten Dichterviertel unweit des S-Bahnhofes Schichauweg. Abgesehen von der Barnetstraße, die vor 1969 noch Marienfelder Straße bzw. Reuterstraße hieß und nach einem Stadtbezirk in London benannt wurde, ist die Siedlung eingerahmt von großen Namen der deutschen Lyrik.

So die Geibelstraße, die 1898 ihren Namen vom Lyriker und Übersetzer Franz Emanuel August von Geibel bekam. Seine Gedichte, die er 1840 veröffentlichte,  fanden großen Anklang beim preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Auf der gegenüberliegenden Seite der Geibelstraße befindet sich die Neanderstraße. Joachim Neander war Pastor und Kirchenliederkomponist. Er dichtete 57 Lieder und vertonte diese zum Teil. So gehört das Lied: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ zu seinem Repertoire.

Durch die Gartenstadt Lichtenrade ziehen sich der Simpsonweg und die Werfelstraße. Die Benennung der Straßen erfolgte nach Fertigstellung der Siedlung im Jahr 1957. William von Simpson war Schriftsteller und verfasste 1937
den Familienroman aus der Zeit Bismarcks und Wilhelm II: „Die Barrings.“ Franz Werfel war ein deutscher Dichter, der aus Europa in die USA floh und sich dort der expressionistischen Lyrik widmete. Er lebte lange in Wien wo er
die Witwe von Gustav Mahler, Alma Mahler heiratete.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg der überwiegende Teil der Wohnhäuser in Schutt und Asche lag, musste Berlin handeln und schnellstmöglich der stetig wachsenden Bevölkerung neuen Wohnraum zur Verfügung stellen. Die sogenannten Aufbauprogramme wurden 1950 ins Leben gerufen. In Berlin West entstanden von 1959-1961 so über 200.000 neue Wohnungen.

Aus einem solchen Aufbauprogramm stammt auch die Gartenstadtsiedlung Lichtenrade. Der Bauherr war die Terrassenhaus-Bau GmbH aus Berlin Charlottenburg die die Gesamtausführung der Firma Philipp Holzmann A.G. übertrug.

Aufgabe der Architekten Paul und Jürgen Emmerich war es, eine Wohnsiedlung mit geringer Bebauungsdichte und viel Grünfläche zu errichten. Auch sollten die Mieter die Möglichkeit haben in einer kleinen Ladenzeile in der Geibelstraße ihre Einkäufe zu tätigen. Als Vorbild für die „Gar tens tadt“ sollten Siedlungen wie beispielsweise die Hufeisensiedlung in Britz dienen.

Die Wohnanlage sollte des Weiteren eine in sich geschlossene Form haben, um den Durchgangsverkehr fernzuhalten. So wurden die Häuser zur heutigen Barnetstraße quer zur Straßenrichtung angeordnet.

Kern der Siedlung ist eine ausgedehnte öffentliche Grünfläche, die von zweigeschossigen Vierfamilienhäusern begrenzt wird. Zu jeder Wohnung dieser Häuser gehört ein angrenzender kleiner Garten.

Dieser Kern der Anlage liegt eingebettet zwischen den Straßenzügen Simpsonweg und Werfelstraße. Im Nord- bzw. Südteil des Geländes befinden sich dreigeschossige Mehrfamilienhäuser. Die Häuser stehen in einem gut bemessenen Abstand zueinander, sodass auch hier großflächige Grünanlagen entstanden. In der Gartenstadt Lichtenrade wurden 463 Wohnungen gebaut, die in den Anfangsjahren noch über Öfen beheizt wurden.

Um eine Monotonie zu vermeiden, erhielten die Fronten der Häuser nach Fertigstellung schon verschiedenfarbigen Putz. Inzwischen gehört die Siedlung zu einer Baugenossenschaft und wurde mehrfach saniert und modernisiert. So wurde die Anlage 2007 mit einer Heiz-und Warmwasserstation auf Basis von Luft Wasser Wärmepumpen ausgestattet.

Auch die Pflanzenwelt konnte sich prächtig entwickeln, sodass die Siedlung auch heute noch als Gartenstadtsiedlung bezeichnet  werden kann.

Marina Heimann

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