Kleine und große Entdeckungen entlang der S2 Naturpark Südgelände

Vom Verschiebebahnhof zum Landschaftsschutzgebiet

Direkt am S-Bahnausgang Priesterweg/Naturpark (südlicher Ausgang) erstreckt sich das Gelände des Natur-Parks Südgelände. Der ehemalige Verschiebebahnhof, mit seinen schon von weitem sichtbarem Wasserturm, wurde im Jahre 1999 zum Landschafts- und Naturschutzgebiet erklärt und seit 2000 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Vom Eingang aus sieht man schon das gelb gestrichene Überführungsbauwerk, dass als Brücke für die ehemalige Bahnstrecke Berlin/Dresden diente.

1889 wurde der Rangierbahnhof eröffnet, und bis 1952 betrieben. Er sollte den in nördlicher Richtung gelegenen Anhalter Güterbahnhof entlasten.

Der 50m hohe Wasserturm von Hugo Röttcher aus dem Jahre 1927 wurde rein funktionell gebaut. Der sechsgeschossige Bau mit einem Durchmesser von 9 m besteht lediglich aus einem Stahlgerüst. Die Kugel hat ein Fassungsvermögen von 400 m³. In den vier Außenpfeilern befinden sich die Zu- bzw. Ablaufröhren. In der Röhre im Mittelpunkt ist eine Zugangsmöglichkeit integriert. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges soll auf dem Turm die erste sowjetrussische Fahne in Berlin geweht haben.

Der von der Natur zurückeroberte ehemalige Rangierbahnhof lässt auch die Herzen von Eisenbahnfans höher schlagen. Alte Schienen und abgestellte Relikte aus der aktiven Zeit sind überall zu finden. So erinnern eine alte Dampflok, die Lokomotivhalle, in denen heute Veranstaltungen stattfinden, und einer der ältesten Drehscheiben Deutschlands an längst vergangene Zeiten. In der alten Brückenmeisterei befindet sich heute das Café Paresüd, das allerdings nur in den Sommermonaten jeden Samstag und an Sonn- und Feiertagen geöffnet hat.

„Die Kunst ist der nächste Nachbar der Wildnis“, sagte einmal Karl Ganser. Auf dem Gelände ist seit 2005 die Künstlergruppe Odious auf dem ehemaligen Lagerplatz zu Hause und entwirft stählerne Kuben und Skulpturen. Das Theater Shakespeare Company Berlin hat sein Domizil seit 2011 auf dem Gelände. Im Sommer gibt es hier Shakespeare auf der Freilichtbühne bei schlechtem Wetter wird in der alten Lockhalle gespielt.

Auf dem 18 Hektar großen Gelände, was über viele Jahrzehnte sich selbst überlassen war, entwickelte sich eine einzigartige Naturlandschaft. So entstand eine Vielzahl von Biostopen mit seltenen Pflanzen und Tieren (über 350 Pflanzen- und 30 Brutvogelarten sowie 95 Wildbienen und 57 Spinnenarten.)

Der Artenreichtum an Pflanzen und Tieren ist unter anderen durch blinde Bahnpassagiere aus ganz Europa zurückzuführen. So soll zum Beispiel die Höhlenspinne in einer Waffenkiste aus Südfrankreich angereist sein und sich hier vermehrt haben.

Es gibt zwei behindert gerechte Rundgänge. Der kleine Rundgang ist 1 km lang und geht bis zur Drehscheibe. Der große Rundgang mit 2,7 km Länge ist ein auf Eisenrohren gelagerter Gittersteg, der dem Nord-Süd-Verlauf einer
ehemaligen Gleisstrecke folgt. Auf der in unmittelbarer Nähe gelegenen aktiven Bahntrasse rauschen ICE – und Regionalzüge an dem Spaziergänger vorbei.

Der Park gehört neben dem Britzer Garten und Erholungspark Marzahn zu den drei „großen“ Parks der landeseigenen Grün Berlin Park und Garten GmbH und wird durch das Land Berlin und der Allianz Umweltstiftung finanziert.

Geöffnet täglich ab 9.00 Uhr Kassenautomat ab 14 Jahre 1,00€ pro Person

Marina Heimann

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