Kämpferin für die Marienfelder Feldmark

Gedenktafel für Ingetraud Müller

Als Ingetraud Müller 1985 die Gründung der Bürgerinitiative „Rettet die Marienfelder Feldmark“ initiierte, ahnte wohl niemand der damaligen Gründungsmitglieder, dass aus einem kleinen „Kaffeekränzchen mit Gleichgesinnten“, welche zuerst noch als Ökospinner und Eintagsfliegen belächelt wurden, sich bis heute, fast 35 Jahre später, immer noch eine überregional beachtete und aktive Gruppe energischer Bürger erhalten hat.

Es begann am 9.6.1985 mit der Verteilung von 200 selbstgedruckten Flugblättern, die zur darauffolgenden Infoveranstaltung an der Egestorffstraße über 300 betroffene Anwohner mobilisierte. Grund war damals die Verwendung von Unkrautvernichtungsmitteln auf den als Naherholungsgebiet dienenden Feldern des eingemauerten Berlins.

Als engagierte Bürgerrechtlerin legte Ingetraud Müller nicht nur bei Politik und Wirtschaft den sprichwörtlichen Finger in die überall sichtbaren, großen Wunden, nein, sie bohrte regelrecht - und schaffte es, durch ihre unkonventionelle, energische Art auf Anhieb, sehr viele Bürger für die Natur und den Umweltschutz zu sensibilisieren und für demokratische Werte zu begeistern. Ihr Motto: Wenn die Politik versagt, ist der mündige Bürger gefragt. Nahezu alle Berliner Bürgermeister und viele Bonner Politiker bekamen „ihr Fett weg“ und mussten, mehr oder minder „gerupft“, vor der kleinen Bürgerinitiative den Hut ziehen.

Mit Ihren Mitstreitern kämpfte Frau Müller über zwanzig Jahre lang zusammen mit weiteren Umweltinitiativen in Berlin und im Umland für die Natur mit beachtlichen Erfolgen und verschaffte somit landesweit nachhaltig großen Respekt vor der schlagkräftigen Lichtenrader Gruppe, bis eine schwere Krankheit alle Träume und Ziele abrupt verblassen ließ.

Nach ihrem Tod im August 2008 spendete die Bürgerinitiative einen Baum und einen großen Stein mit Inschrift inmitten der Marienfelder Feldmark. Naturpark-Ranger Björn Lindner, ebenfalls ein langer Wegbegleiter der Initiative, gestaltete liebevoll den sonnigen Erinnerungsort zu einem kleinen, „kuscheligen Einod“ mit Sitzbank und Findlingen; Infotafeln zur Natur und der einmaligen Landschaft sollen folgen und zum Verweilen einladen.

Aktuell wurde am 15. Juni durch Angehörige von Ingetraud Müller eine Gedenktafel angebracht, die dem Spaziergänger den Hintergrund dieser Gedenkstelle mit der „Müller-Linde“ nahebringt. Die ohnehin bezaubernde Marienfelder Feldmark ist nun um ein interessantes Detail reicher geworden. Möge sie so bleiben, wie sie ist: Einzigartig und erhaltenswert - und mit vielen Engagierten, die sich für ihre Erhaltung einsetzen.

Bernd Saalfeld, Kleinbeuthen

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