Unternehmernetzwerk Lichtenrade

Lieferverkehr in der Bahnhofstr.: Lösungen gesucht!

Haben Sie sich beim Fahren oder Laufen durch unsere Bahnhofstraße auch schon über die Parker in zweiter Spur geärgert? Ich schon, bin aber nicht frei von Schuld: Beim Einwerfen der Abendpost bleibt einem manchmal gar nichts anderes übrig, als vor der Post den fließenden Verkehr mehr oder weniger zu behindern.

Ich glaube, es war bei einer der ersten Standortkonferenzen, also 2012 oder 2013, als ein Ur-Lichtenrader vorschlug, auf der Grünfläche vor der Shell-Tankstelle einen „Drive-In-Briefkasten“ einzurichten. Eine gute, praxisnahe, aber leider nicht realisierte Idee. Wollen wir hoffen, dass die Chance, unsere Einkaufsmeile mit dem Förderprogramm „Aktive Zentren“ wettbewerbsfähiger, vor allem aber auch lebenswerter zu machen, erfolgreich wird und nicht wie der „Drive-In-Postkasten“ nur eine gute Idee bleibt. Bei der Gestaltung des „Aktiven Zentrum Lichtenrade Bahnhofstraße“ sind wir alle gefragt: Senat, Bezirksamt, Sie, ich, wir!

Viele Akteure vor Ort setzen sich bereits seit Jahren für gute Ideen und deren Umsetzung ein. Ein wesentlicher Punkt für das Gelingen (und die Akzeptanz) wird das neue Verkehrskonzept sein. Quer-Parkhäfen werden zu Längsplätzen umgebaut. Breitere Bürgersteige bringen hoffentlich mehr Aufenthaltsqualität und zwei Radstreifen mehr Sicherheit für Pedalritter. Busse und der restliche motorisierte Verkehr teilen sich dann den verbleibenden Fahrbahnrest. Wir werden sehen, ob das funktioniert. Aber egal, welche Lösung die Verkehrs- und Stadtplaner finden: Der Lieferverkehr wird eine wesentliche Rolle dabei spielen, ob das neue Konzept funktionieren kann!

Immer mehr Bestellungen per Mausklick. Immer mehr Pakete. Immer weniger Lagerhaltung im Einzelhandel, um die teuren Verkaufsflächen für mehr Warenangebot zu nutzen und ein Ende ist nicht in Sicht.

Der Güterverkehrsaufwand - gemessen in Tonnenkilometern - wird in Deutschland nach Prognosen des Verkehrsministeriums bis 2030 um über 38 % gegenüber 2010 zunehmen! Davon wird die Bahnhofstraße samt Umfeld nicht verschont bleiben. Also gilt es intelligente, vernetzte, umweltverträgliche, aber auch ökonomische Lösungen zu finden.

Der Lieferverkehr ist im Umbruch
Es gibt bereits Ansätze, den städtischen Wirtschaftsverkehr umweltverträglicher zu gestalten und die Lebensqualität zu erhöhen: Die Post ist in Berlin teilweise schon mit rein elektrischen Kleintransportern unterwegs. Die BVG sucht nach Lösungen für die Großen (und kleinen) Gelben – hoffentlich auch für Lichtenrade. Spezielle Software mit Telematiklösungen können den Lieferlogistikern nicht nur die Arbeit erleichtern, sondern auch Routenführungen optimieren, Kraftstoff sparen, Emissionen reduzieren. Lastenfahrräder könnten Kleinlieferungen ohne Lärm und Luftschadstoffe zustellen.

Für Kommunen, die sich für umweltfreundliche urbane Logistik stark machen wollen, gibt es Fördermöglichkeiten und Vernetzungsangebote. Mit der Berliner Agentur für Elektromobilität „eMO“ und der „EUREF“ haben wir zwei kompetente und voll im Thema steckende Akteure im Bezirk. Gemeinsam könn(t)en wir (Senat, Bezirksamt, Sie und ich) die Bahnhofstraße nicht nur zumPilotprojekt, sondern zum Vorzeigekiez machen.

Dafür müssen aber noch so manch dicke Bretter gebohrt werden: Die Akteure müssen Maßnahmen, die ökonomisch und ökologisch vorteilhaft sind, zulassen und dann gezielt angehen und umsetzen. Viele Grundlagen müssen vorher geklärt werden: Wo sind Aufkommensschwerpunkte? Welche Güter werden überhaupt wann und wie oft transportiert? Welche Fahrzeuge werden für die Güterbeförderung eingesetzt? Wo bestehen Engpässe/Konfliktsituationen?

Lieferoptimierung fängt bei uns selbst an
Natürlich müssen infrastrukturelle Voraussetzungen geschaffen werden: Ladezonen, vielleicht Lieferkooperationen des Einzelhandels zur Reduzierung der Anlieferfrequenzen. Ein kleines Logistikzentrum für den Warenumschlag zur Belieferung der letzten Meile sollte in die Überlegungen einfließen. Auch wir Verbraucher können den Lieferverkehr beeinflussen. Muss wirklich jede Lieferung innerhalb von 24 Stunden da sein? Nur ein Tag mehr Lieferzeit oder die Nutzung alternativer Zustelladressen (Paketshop, Packstation u.ä.) ermöglicht den Logistikern im Onlinehandel, Touren besser zu kombinieren und Doppelfahrten zu vermeiden.

In den meisten Städten beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit von Autos weniger als 30km/h, teilweise nur knapp über 20km/h. Insbesondere Lastenräder mit elektrischer Unterstützung sind auf vielen Strecken schneller. Das gilt umso mehr für Wege mit vielen kurzen Stopps.

Macht das für unseren Kiez nicht Sinn? Nicht falsch verstehen: Wer mich kennt weiß, dass ich leidenschaftlicher Autofahrer bin – aber da wo es Sinn macht. Lastenräder kommen schnell, zuverlässig und direkt ans Ziel. Sie sind günstig in Anschaffung und Betrieb und helfen bei einer positiven Umwelt-Bilanz. Nicht zuletzt sind Lastenfahrräder auch hervorragende Sympathie- und Werbeträger und gut fürs Image. Der Markt bietet bereits heute etliche Lösungen: Vom flinken Lieferpedelec bis zu „Schwertransportern“ mit einer Zuladung bis 300 kg im Europaletten-Format.

Lassen Sie uns wissen, wie Ihr Lieferkonzept der Zukunft für die Bahnhofstraße und Lichtenrade aussehen sollte. Was wünschen Sie sich, was gilt es zu berücksichtigen? Schreiben Sie uns: kontakt@ un-lichtenrade.de.

Volker Mönch, Vorsitzender des Unternehmer-Netzwerk Lichtenrade e.V.

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