Beim Neubau des Lichtenrader Kirchturms fand man Mühlensteine

Mühlensteine im Fundament sollten vor Unheil schützen

Die Handmühlensteine, die man im Fundament der alten Dorfkirche 1902 gefunden hat, befinden sich heute im Heimatmuseum Tempelhof in Mariendorf und können dort besichtigt werden. Sie sind Zeuge einer längst vergangenen Zeit in dem man das Korn noch versucht hat mit der Hand zu mahlen.

In grauer Vorzeit ernährte sich der Mensch überwiegend von gesammelten Früchten und Pflanzen. Erst im Laufe der Zeit, als er sesshaft wurde, kam er auf die Idee sich den Gräsern mit größerem Samen, beispielsweise Hirse, Hafer, Gerste und Weizen, zu widmen, um so dauerhaft lagerfähige Nahrungsmittel zu erhalten. Nun war das Heraustrennen der Samen schon eine mühselige Handarbeit.

Noch schwieriger gestaltete sich jedoch das Zerkleinern der Keimzelle, die mit einer sehr festen Haut umgeben sind. So versuchte man zunächst, mithilfe eines flachen Steines diese zu zerdrücken oder zu zerquetschen um an den Nährstoff, die Stärke, zu gelangen. In der Bronzezeit wurden dann die Handmühlen erfunden, was ein großer Fortschritt war.

Diese bestand aus zwei großen runden Mahlsteinen, von denen die Untere fixiert war (Bodenstein) und eine sehr raue Oberfläche aufweis. Der obere Mahlstein (Läuferstein) konnte hingegen um eine senkrechte Achse gedreht werden. Zwischen diesen beiden Steinen wurde über eine Öffnung des Läufersteins, das Korn eingeschüttet.

Durch die Rotation des oberen Steines konnte so unter Mithilfe der Zentrifugalkraft die Halmfrucht zerrieben und nach außen getrieben werden. Diese Mühlen
nannte man auch „Querne“, wahrscheinlich des Geräusches wegen, dass diese beim Mahlen verursachte.

1902, beim Neubau des Kirchturms (steiles Schieferhelmdach mit vier Nebentürmchen, im Krieg zerstört) fand man eine solche Handmühle im Fundament des
Turmes, der 1810 abgerissen wurde. Die Steine sind heute im Heimatmuseum Tempelhof, in Mariendorf ausgestellt.

Der obere Läuferstein hat einen Durchmesser von 46 cm und eine Höhe von 13 cm bei einem Gewicht von 44 kg. Der untere Bodenstein mit ebenfalls 13 cm höhe weist einen Durchmesser von 42 cm auf und wiegt 38 kg.

Gut zu erkennen ist auf dem oberen Stein das Einschüttloch für das Getreide.

Ein Aberglaube besagt, dass Mühlensteine die man vor einem Hause stellte bzw. sogar in die Häuserwand eingemauert wurden, vor Unheil schützen sollten.

So gab es auch einen solchen Handmühlenstein im Giebel, in dem unter Denkmalschutz gestellten Haus des Kantors Schmidt, Alt-Lichtenrade 117, aus dem Jahre 1899.

Mittlerweile wurde das Haus allerdings umgebaut, sodass der Mühlstein nicht mehr sichtbar ist bzw. höhst wahrscheinlich entfernt wurde.

Marina Heimann www.brueckenpfad.de

Tempelhof Museum
Alt-Mariendorf 43
12107 Berlin, (030) 90277 6163

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