Rege Bautätigkeit in Lichtenrade am Rande der großen Stadt Berlin

In Lichtenrade sind noch heute die Spuren zu entdecken

Das damals noch unbebaute Terrain zwischen der Nachtbucht und der Bahntrasse kauften der Schlächtermeister Karl Hilbert und der Maurermeister Friedrich Krüger den Ortsansässigen Bauern 1902 ab. Mit der Idee, hier eine Einzelhaussiedlung mit rechtwinkligem Straßennetz auf dem Gebiet entstehen zu lassen, reichten sie ihren Bebauungsplan ein. Hier sollten frei stehende Landhäuser und Villen errichtet werden.

Nach der Parzellierung war der Ausbau der Straßen ein wichtiges Thema. 1903 gründete sich der Haus- und Grundbesitzer-Vereins Lichtenrade 03 e.V. Der erste Vorsitzende war der Wilmersdorfer Rechnungsrat Franz Carl Emil Rohrbach, der in zähen Verhandlungen die Pflasterung der Hilbertstraße, Krügerstraße und zahlreicher weiterer Straßen westlich der Eisenbahn erreichte.

Teilweise ist das Pflaster von vor 110 Jahren immer noch vorhanden. In der Hilbertstraße beispielsweise unter einer Asphaltschicht versteckt, die hier wegen der Buslinie 175, aufgetragen wurde. Als Anerkennung für seine Bemühungen auf dem Gebiet der Straßenpflasterung in diesem Bereich wurde nach Rohrbach eine Straße benannt. Er verstarb 1915 in Lichtenrade. Karl Hilbert und Friedrich Krüger konnten immerhin bis zum Ersten Weltkrieg ein Drittel der Grundstücke an den Mann bringen.

Zur eigenen Nutzung errichte sich der Maurermeister Friedrich Krüger 1903 das erste Wohnhaus in der Krügerstraße 35. Das mit sehr viel Aufwand gestaltete Haus sollte als Vorzeigeobjekt dienen und seine Qualitäten als Maurermeister hervorheben. Denn mit neuen Grundstückskäufen erhoffte er sich auch neue Bauaufträge.

Das Wohnhaus in der Krügerstraße 35, das noch heute im ursprünglichen Zustand erhalten ist und unter Denkmalschutz steht, ist ein für diese Zeit, repräsentativer Wohnhaustyp um die Jahrhundertwende in den Villenkolonien. Das Haus verfügt über ein seitlich angeordnetes Treppenhaus mit direktem Zugang zum Garten. Eingezäunt ist das Grundstück mit stilvoll geschmiedeten, geschwungenen Gittern deren Spitzen Sonnenblumen schmücken.

Das zweigeschossige Haus ist im unteren Bereich mit gelb glasierten Klinkern verkleidet während Eckteile des Gebäudes und die Brüstung des Balkons grüne Ziegel schmücken. Ausdruckstark auch die Stuckornamente in Form von Ranken. Sehr lebendig erscheint das Gebäude durch den vorgezogenen Erker und den kleinen Dachhäuschen unterhalb des Walmdaches. In seiner Form entspricht es einer Mischung aus Villa und Landhaus.

Für seinen Bruder Wilhelm Krüger errichte der Maurermeister ein weiteres Haus in der Krügerstraße 33 in gleicher Bauart. Dieses verlor aber nach einigen Umbauten seinen ursprünglichen Charakter.

Marina Heimann

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