Unterkünfte für Mütter und Kinder in Not geschaffen

Mutter-Kind-Heim zog in ehemalige Seniorenresidenz

Im hinteren Teil der ehemaligen AWO-Senioreneinrichtung ‘Franz-Neumann-Haus’, in der Lichtenrader Augsburger Straße, wurde eine Mutter-Kind-Einrichtung eröffnet. Im sogenannten „Waldhaus“ hat nach einjähriger Umbauzeit das Mutter-Kind-Haus „Christinenhof-Waldhaus“ seinen Betrieb aufgenommen.

Die Einrichtung wird unter privater Trägerschaft von Ines Bardeck betrieben und richtet sich an junge Mütter mit ihren Kindern, die aus den verschiedensten Gründen keine eigene Wohnung haben oder sie verloren haben. Da kommen durchaus Frauen aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Ines Bardeck: „Hinter nahezu jeder Frau verbirgt sich eine tragische Geschichte.“ Sie kann von Mietschulden, Wohnungsverlust, Schuldgefühlen, kranken oder toten Kindern und von Vergewaltigungen berichten, die die Frauen ertragen mussten.

Auch werden in der Einrichtung junge ausländische Mütter betreut, deren Kinder in den Herkunftsländern aus medizinischen Gründen oft keine Überlebenschance hätten. Da werden die Gesundheitskosten der Kinder in der Regel von Stiftungen und Vereinen übernommen.

Hausmutter Marielene Schafstall, die in allen Fragen angesprochen werden kann, hat selbst brasilianische Wurzeln. Sie hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Anliegen der Anwohnerinnen. Die Hausmutter beherrscht fünf Sprachen, wobei auch sie immer wieder an Grenzen stößt: „Dann müssen wir uns mit Händen und Füßen verständigen.“ Ein Muss für alle Beschäftigten ist das Beherrschen von Englisch, da die meisten jungen Frauen sich zumindest mit einigen Brocken Englisch verständigen können.

Durch Spielangebote erlernen die Mütter, wie sie sich verlässlich selbst um ihre Kinder gut kümmern können. Für die Mütter kann die Praxis durch Vorleben viel leichter erlernt werden. Oft sind große Erfolge zu verzeichnen. Die Erfolgsquote, das Leben in einer eigenen Wohnung bzw. eine Arbeit oder Ausbildung, liegt laut Auskunft der Betreiberin bei 80 Prozent.

Wichtig ist immer wieder das Erlernen von deutscher Sprachkompetenz, damit sie überhaupt später eine wirkliche Chance zum eigenständigen Leben haben.

Das Angebot in der vollstationären Einrichtung ist im Regelfall auf drei bis sechs Monate angelegt. Wegen der angespannten Wohnungsmarktsituation muss der Aufenthalt öfter verlängert werden. Hinzu kommen Probleme bei negativen Schufa-Auskünften und auch die Hautfarbe spielt bei der Wohnungsvermittlung eine große Rolle. Schwarzafrikanische Mütter haben bei der Unterbringung in Lichtenrader Kitas große Probleme und wurden abgewiesen. Einrichtungsleiterin Ines Bardeck erzählt fassungslos, dass in den gleichen Kitas quasi zeitgleich ohne Probleme hellhäutige Kinder einen Platz bekamen.

Das oberste Ziel ist aber bei allen jungen Frauen die möglichst schnelle Unterbringung in eigenen Wohnungen und die Erlangung einer Arbeitsstelle oder Ausbildung. Es werden 13 Plätze für Mütter mit einem Kind und 10 Plätze für Mütter mit zwei Kindern in zwei Wohngruppen angeboten. Die Frauen leben mit ihren zumeist sehr kleinen Kindern bis 12 Jahren (Mädchen auch bis zum Alter von 18 Jahren) im Gruppenverbund zusammen. Es gibt eine 24stündige Betreuung durch sozial erfahrene Mitarbeiterinnen. Die tatsächliche Betreuung richtet sich nach dem individuellen Bedarf.

In nächster Zeit wird noch der Eingangsbereich erweitert und für einen Gemeinschaftsraum und einen Aufenthaltsraum für Beschäftigte wird das Haus noch aufgestockt.

Die unmittelbare Nachbarschaft wird jetzt auch mit Flyern von der Arbeit der Mutter-Kind-Einrichtung informiert. Viele Nachbarn gehen offen auf die neue Einrichtung zu. Es gebe aber auch, wie Ines Bardeck erzählt, unerfreuliche Begegnungen. Da treten besonders ausländerfeindliche Haltungen zutage. Da sorgt der dunkelhäutige engagierte Vater für Irritationen, der das Kind abholt und zu einer Kita fährt.

Ines Bardeck betont, dass es mit den Anwohnerinnen und Besuchern aber noch nie zum Ärger mit Nachbarn kam. Das bestätigt auch die Polizei. Für die Einrichtungsleiterin ist klar: „Wenn sich Frauen dann doch nicht an Regeln halten, müssen sie die Einrichtung verlassen.“ Aufgenommen werden auch keine psychisch- oder suchtkranke Frauen und auch keine Frauen, die vor häuslicher Gewalt geschützt werden müssen. Dafür sei die Einrichtung nicht ausgelegt.

Der größere vordere Teil der ehemaligen Senioreneinrichtung steht seit Jahren leer. Ein privater Investor versucht das Grundstück zu verkaufen. Vermutlich wird es an dieser Stelle Wohnungsbau geben. Es gibt Sorgen von Anwohnern, dass hier - wie am Kirchhainer Damm - vielleicht eine Flüchtlingsunterkunft einziehen könnte. Dazu erklärt Stadträtin Dr. Sibyll Klotz: „Nach der Eröffnung des Mutter-Kind-Hauses sehe ich in einem allgemeinen Wohngebiet keinen weiteren Spielraum.“

Thomas Moser
www.lichtenrade-berlin.de
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