Redakteur, Widerstandskämpfer und Literat: Paul Fechter

Aufrechter Lichtenrader kämpfte für freie Gesellschaft

Einer der prominentesten Lichtenrader Bewohner war ohne Zweifel der Theater- und Kunstkritiker Paul Fechter, der von 1921 bis 1958 im Franziusweg 63 wohnte. Dort befindet sich heute eine Gedenktafel am Haus, die darauf hinweist, dass hier am 26. Juli 1944 die letzte Sitzung, der 1863 gegründeten Mittwochs-Gesellschaft stattfand.

Wer oder was war bzw. ist die Mittwochs-Gesellschaft und in welchem Zusammenhang stand Paul Fechter zu dieser Organisation?

Paul Fechter wurde als ältester Sohn einer Handwerkerfamilie in Elbing (Polen) geboren, absolvierte ein Studium der Architektur, Mathematik und Physik und promovierte an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen zum Doktor der Philosophie. Von 1906 bis 1915 arbeitete er als Feuilletonredakteur bei der Zeitung, „Dresdner Neuesten Nachrichten“. In dieser Zeit machte er sich mit der Veröffentlichung des Buches, „Der Expressionismus“ eine Stilrichtung, auch einen Namen als Schriftsteller.

Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er zunächst als Redakteur bei der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“, die er 1933 verließ, um mit zwei Mitstreitern die Wochenzeitung „Deutsche Zukunft“ zu gründen.

Mit Rudolf Pechel war er von 1933 - 1942 auch Herausgeber der „Deutschen Rundschau“ und darüber hinaus von 1937- 1939 Redakteur des „Berliner Tagesblattes“, bevor er 1939 zur „Deutschen Allgemeinen Zeitung „ zurückkehrte.

Ferner griff er von 1937 – 1941 für die Monatszeitschrift „Weiße Blätter“ zur Feder.

Mitglied bei der Mittwochs-Gesellschaft, die 1863 ins Leben gerufen wurde, war Paul Fechter ab 1938. Sie verstand sich als freie Gesellschaft zur wissenschaftlichen Unterhaltung für die Berliner. Die Mitglieder dieser Gesellschaft setzten sich zum großen Teil aus Berlinern zusammen, die in der Öffentlichkeit  standen. Beispielsweise Unternehmer, Wissenschaftler, Kulturschaffende und Regierungsmitglieder. Die 16 Mitglieder, die anerkannte Experten auf ihrem Fachgebiet waren, luden jeden zweiten Mittwoch zu einer freien wissenschaftlichen Diskussion ein. Mitglied in den 30er Jahren war u.a. Chirurg Ferdinand Sauerbruch. Diese fanden ausschließlich in privaten Räumen der Teilnehmer statt und wurden bis 1945 in 9 Bänden dokumentiert.

In Zeiten der Nationalsozialisten spaltete sich die Gruppe in Gegner und Befürwortern.  Ein Großteil stellte sich auf die Seite der Widerstandskämpfer und beteiligte sich an Umbruchversuchen. Letztendlich wurde die Mittwochs-Gesellschaft 1944 von der Gestapo aufgelöst und vier Mitglieder hingerichtet. Ein Mitglied wurde im Gestapo Gefängnis in Moabit über zehn Monate festgehalten und Dr. Ferdinand Sauerbruch mehrmals von der Gestapo verhört. Die letzte Sitzung fand bei Paul Fechter am Mittwoch den 26 Juli 1944 im Franziusweg 63 statt.

Paul Fechter veröffentlichte 1948 sein Buch „Menschen und Zeiten“, Begegnungen aus fünf Jahrzehnten der Mittwochs-Gesellschaft.

Die Mittwochs-Gesellschaft wurde in Berlin 1996 durch Marion Hedda Ilse Gräfin Dönhoff (verstarb 11. März 2002, war Chefredakteurin und Mitherausgeberin der Wochenzeitung „Die Zeit“) und Richard von Weizäcker wieder belebt. (Mitglieder sind heute u.a. Helmut Schmidt, Wolfgang Thierse, Egon Bahr.)

Paul Fechter schrieb in seiner Schaffenszeit auch Literaturgeschichten und Komödien. So zum Beispiel die Komödie „Der Zauberer Gottes“, die allerdings nach der Generalprobe im Januar 1941 durch das Reichspropagandaministerium verboten wurde und erst im Oktober 1948 im Schauspielhaus in Hamburg zur Aufführung kam.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Paul Fechter für das Feuilleton der Wochenzeitung „Die Zeit“.
Er verstarb am 9. Januar 1958 und wurde auf dem Lichtenrader Friedhof an der Goltzstraße beigesetzt.

Marina Heimann

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