Kriegerdenkmal auf dem Gemeindefriedhof

Lichtenrader Vereine und Privatpersonen spendeten Geld

Im Juni 1925 erfolgte die Grundsteinlegung und im darauf folgenden November die feierliche Einweihung des Kriegerdenkmals auf dem Gemeindefriedhof in der Paplitzer Straße.

Nun stellt sich die Frage, warum gerade hier auf dem evangelischen Friedhof ein Kriegerdenkmal dieser Größenordnung sein Platz finden konnte.

Aus einem Zeitungsbericht der Lichtenrader Zeitung von 1920 geht hervor, dass die Gemeinde, ihre im 1. Weltkrieg über 100 gefallenden Mitbürger ehren wollte.

Der erste Gedanke war, zwei Tafeln mit den Namen der verstorbenen an den Kirchhofsmauern des Eingangstores zum Friedhof anbringen lassen.

Da man aber kurz zuvor zu den privilegierten Gemeinden gehörte, die nach Berlin eingemeindet wurden, sah man sich in der Pflicht etwas Größeres zur Erinnerung der Verstorbenen, zu errichten. So beschloss man, ein Memorial direkt auf dem Friedhof aufzustellen.

Um ein derartiges Vorhaben finanzieren zu können, sammelte man in der Lichtenrader Bevölkerung und in den Vereinen. So kamen schon nach kurzer Zeit Spendengelder in Höhe von 10.000 RM zusammen. Unter anderen spendeten Vereine wie die Turngemeinde des VFL Lichtenrade 1894 e.V. und der Gesangverein Sängerlust 1880 großzügig.

So wurde die Lichtenrader Baufirma Gustav Haufe beauftragt, ein Fundament für das Ehrenmahl zu fertigen. In diesem Fundament wurde eine Kassette mit Berichten der damaligen Zeit eingemauert. Der Entwurf des kniend betenden Kriegers stammt vom Bildhauer Lutz aus Lautenberg. Die ausführenden Arbeiten übernahm der Bildhauer Heinrich Mißfeld aus Berlin Friedenau.

Heinrich Mißfeld, der 1872 in Suchsdorf geboren wurde, erlernte den Beruf des Holzbildhauers und ging anschließend zum Studium nach Berlin. 1891 zunächst an die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums und später an die Akademie für Bildende Künste. Seinen künstlerischen Durchbruch erlangte er 1903 mit dem  „Kugelspieler“. Ab 1909 spezialisierte er sich zunehmend auf die Fertigung von Grabdenkmälern in ganz Deutschland.

1920 bekam er den Auftrag das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof in der Paplitzer Straße, in Lichtenrade, zu fertigen. Auf beiden Seiten des Sockels wurden die Namen, der im 1. Weltkrieg Gefallenen Lichtenrader Bürger, eingemeißelt. Am Bußtag, den 18. November 1925 fand die Einweihung des Denkmals, durch den damaligen Pfarrer Klein statt.

1956 wurden, die im Laufe der Zeit, verblassten Namen erneuert. Im Zuge dieser Erneuerung meißelte man zusätzlich die Namen der Lichtenrader Bürger ein, die im 2. Weltkrieg ums Leben kamen. Diese Arbeiten wurden durch Spenden des Lichtenrader Männerchors, die zuvor zwei Konzerte veranstalteten, ermöglicht.

Bei der Zusammenkunft der Vorstände von 12 Lichtenrader Vereinen im Dezember 1973 erklärte sich die Lichtenrader Ortsgruppe des Reichsbundes der Kriegsopfer, Sozialrentner und Hinterbliebenen bereit, die Vorbereitungen einer alljährigen Trauerfestes für die verstorbenen Mitbürger, zu organisieren.

Marina Heimann

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