Die John-Locke-Siedlung in Lichtenrade


Nach 50 Jahren ist eine Sanierung der Siedlung fällig

Schon seit den frühen 60er Jahren wurde an der Hochhaussiedlung gebaut, sodass die ersten Mieter bereits 1964 ihre Wohnungen beziehen konnten und in diesem Jahr ihr 50-jähriges Mietjubiläum feiern können.

Allerdings bekam die Straße erst 1969 ihren heutigen Namen. Von 1930 bis 1969 trug sie den Namen des Konstrukteurs und Unternehmers Johann Georg Bodmer. (Bodmerstraße) Die Straße, die heute zum größten Teil parallel zur Steinstraße verläuft, bekam im Zuge der Baumaßnahmen für die Hochhaussiedlung, eine neue Straßenführung. So wurde ein südlich der Neubauten, an der Barnetstraße verbliebener Teil der Halker Zeile, zusammen mit der damaligen Straße 445 zur John-Locke-Straße zusammengeführt.

John-Locke, (1632-1704) englischer Philosoph der neuzeitlichen Philosophie gilt als Vater des Liberalismus. So beeinflussten seine Thesen u.a. die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung der Vereinigten Staaten und vieler anderer liberaler Staaten. Er trat stets für die Gleichheit aller Menschen und dessen Recht auf Annehmlichkeiten des Lebens ein, die nicht nur durch Selbsterhaltung geprägt werden sollten.

Der Name verpflichtet und so findet man durchaus parallelen zu John Lockes Thesen, „Recht auf Annehmlichkeiten“, bei der von der Wohnungsbaugesellschaft „Stadt und Land“, in den 60er Jahren errichteten Hochhaussiedlung. Schon beim Bau wurde Wert darauf gelegt, nicht einfach nur Wohnungen, sondern vielmehr Wohnungen zum Wohlfühlen mit entsprechendem Umfeld, zu bauen.

So gesellten sich zu den Häuserblöcken, die gern auch „Klein Manhattan genannt werden, von Anfang an ein kleines Einkaufszentrum, Spielplätze und Grünanlagen. Auch die Kunst kam nicht zu kurz. So wurde zwischen den Hochhäusern 1967 die Plastik aus Gips und Bronze „Im Fluge“ der Berliner Bildhauerin Ursula-Hanke-Förster aufgestellt, der menschliche Körper in beschwingter Bewegung darstellt. Oder aber der im Einkaufszentrum in den 90er Jahren errichtete Nilpferdbrunnen, der Bildhauerin Rose-Maria Stiller.

Dass die Leute hier gern wohnen, zeigt wohl das Beispiel von Doris Herrmann, eine der ersten Mieterin, die in mühevoller Kleinarbeit alles über ihre Siedlung gesammelt und dokumentiert hat und sich als Chronistin versteht.

Die zurzeit laufende Modernisierung bzw. Sanierung, der in die Jahre gekommenen Anlage, wird sich auf rund 70 Millionen Euro beziffern und etwa fünf Jahre dauern. Durch die energetisch auf den neuesten Stand gebrachten Wohnungen senken sich die Betriebskosten, sodass die Mietpreise nach der Sanierung moderat bleiben.

Um alle Mieter über den neuesten Stand der Modernisierung informieren zu können, hat die Gesellschaft im April 2013 zusätzlich zu ihrer Bauzeitung über die Sanierung, eine Infobox errichtet, die jeder Interessierte Mieter an drei Tagen in der Woche zum Informationsaustausch nutzen kann.

Zukunftsorientiert und wiederum ein weiterer Beweis dafür, dass die Wohnungsbaugesellschaft an ihre Mieter denkt, ist die neu errichte Begegnungs- und Beratungsstätte „Dreiklang“. Der in Kooperation mit der Diakonie Lichtenrade entstandene Pavillon bildet das Herzstück, in der bereits sanierten Anlage am Lichtenrader Damm 218-
220.

Er wurde von der Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und soll für gemeinschaftliche Aktivitäten und Veranstaltungen genutzt werden. Dazu gehört auch eine 1700 Quadratmeter große, liebevoll angelegte Gartenanlage mit Blumenbeeten. Die drei Hochhäusern um den Pavillon herum, verfügen über 115 1-2 Zimmer Wohnungen, die speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgerichtet sind, bzw. über 12 Wohnungen, die in Zusammenarbeit mit der Diakonie-Station Lichtenrade für betreutes Wohnen geschaffen wurden.

Die Sanierung der Hochhaussiedlung ist mit viel Lärm und Unannehmlichkeiten für Mieter und umliegende Betroffene verbunden. Doch wird jede fähig denkende Person, die Notwendigkeit einer Sanierung bzw. Modernisierung, bei steigenden Energiekosten, verstehen.

Im Sinne von John Locke: „Nächst der Wahrnehmung ist das Gedächtnis für ein denkendes Wesen das notwendigste. Seine Bedeutung ist so groß, dass, wo es fehlt, alle unsere übrigen Fähigkeiten großenteils nutzlos sind, in unseren Gedanken, Schlussfolgerungen und Erkenntnissen könnten wir nicht über die gegenwärtigen Objekte hinauskommen, ohne den Beistand unseres Gedächtnisses.“
John Locke
Quelle: »Ein Versuch über den menschlichen Verstand«, 1690

Marina Heimann

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