Leiterin des Gospelchores führt musikalisches Doppelleben

Ein Leben zwischen Gospel und Rock ‘n’ Roll: Julie Sue

Sie ist mit Gesang groß geworden und sieht sich in vielen Musikrichtungen aufgehoben. Juliane Lahner (35) hat zwischenzeitlich ein Jahr nicht singen wollen und ist heute wieder bei der Musik angekommen. Nach vielen Wegen und Umwegen ist der Gospel ihre innere Heimat geworden und hat ihr die Musik wieder zurückgebracht. Im „Lichtenrader Gospelchor“ fühlt sie sich wohl und aufgehoben. Ab und an schlüpft sie jedoch in die Rock ’n’ Roll-Rolle und rockt die Bühnen. Ihr Künstlername „Julie Sue“ spiegelt die Affinität zu den 50er Jahren wieder.

Juliane lebt mit ihrem Mann Michael und zwei Kindern (8 und 9 Jahre alt) in Lichtenrade. Von ihren Bekannten und Freunden wird sie Jule genannt. Sie strahlt ausgeglichene unbändige Lebensfreude aus, die einfach nur anstecken
kann. Ihren Mann Michael, der gerne in die Elvis-Rolle schlüpfte, hat Jule über diese musikalische Schiene kennen und lieben gelernt. „Elvis“ suchte eine Sängerin und fand eine Freundin und Ehefrau!

Juliane wächst in Berlin-Karlshorst auf und entdeckte früh ihre Liebe zur Musik. Zur Einschulung 1985 hat sie die Wahl, ob sie sich für Ballett oder für eine musikalische Schulförderung entscheidet. Schnell stand nach dem Vorsingen fest: Die Musik und der Chor sollten es sein. Mit 7 Jahren, in der 2. Klasse, stand sie dann das erste Mal vor über 400 Leuten auf einer Bühne.

Lange bot der renommierte Canzonetta-Kinderchor ihr eine musikalische Heimat. Der Chor sang beispielsweise in mehreren Fernsehshows, wie „Showkolade“ oder „Kein schöner Land“ mit Gunther Emmerlich und besuchte 1990 als erster ostdeutscher Kinderchor das Rathaus Schöneberg, den damaligen Sitz vom Regierenden Bürgermeister und vom Abgeordnetenhaus. Die vielen Reisen, auch in die USA, blieben Juliane in guter Erinnerung. Das wohl größte Erlebnis war der Auftritt 1993 beim Sängerfestival in Tallin/Estland. Das estnische Liederfest begeistert durch die Atmosphäre in der großen Arena direkt am Meer. Sie kann sich noch gut an die Gänsehautatmosphäre erinnern, wie zum Schluss die über 75.000 Sängerinnen und Sänger die estnische Nationalhymne anstimmten.

Mit 18 Jahren gründete sie den Gospel-A-capella-Chor „One Voice“ und sang in den verschiedensten Bands. Teilweise sang sie in drei Bands gleichzeitig. Soul, Funk, Pop, Rock ‘n’ Roll und Jazz: Noch heute fühlt sich Julie Sue den verschiedensten Musikgenres verbunden.

„Ich habe immer gesungen,“ erzählt sie. Ab 1999 war sie u.a. Sängerin bei der Berolina-Bigband, bei den Berlin Blues Brothers, beim „Rock 'n' Roll Hot Orchestra“ oder unterstützte zum Beispiel Edo Zanki mit dem Gospelchor „Spirited“. Neben den vielen Auftritten in renommierten Gala- und Partybands bei Bällen, Empfängen und Messen war der Auftritt in einem polnischen Salzbergwerk in einer Tiefe von 250 Metern besonders beeindruckend. Die Zeitabläufe verschwimmen in der Vita von Juliane Lahner oft und gehen Hand in Hand. Nebenbei arbeitete sie immer wieder in anderen Berufen.

Heute singt sie immer mal wieder bei Rock ‘n’ Roll- und Swing-Veranstaltungen und hat andere musikalische Auftritte. Mit „Long John & His Ballroomkings“, der ehemaligen Begleitband von Rock ‘n’ Roll-Legende Wanda Jackson, steht Julie Sue nach acht Jahren immer noch auf der Bühne. Das Motto: „Rockabilly Musik im Herzen, Swing in den Füßen und Jazz im Kopf.“ Im Rahmen von „Julies Lounge“ begeistert sie mit unterschiedlichen  Musikstilen zusammen mir ihrem Pianisten.

In der ersten „Popstars“-Castingshow bei RTL II im Jahr 2000, aus der die „No Angels“ hervorgegangen sind, kam Juliane unter die letzten 12 Kandidaten und hätte einfach nur auf ihre Leistung stolz sein können. Statt dessen fiel sie in ein großes Loch und zweifelte an ihren musikalischen Fähigkeiten.

Ein Jahr sang sie gar nicht mehr, bis sie zu einer New York-Gospeltournee durch Kirchen eingeladen wurde. „Der Gospel hat mein Leben gerettet, nicht nur musikalisch,“ erzählt berührt Juliane Lahner. Und weiter berichtet sie mit glänzenden Augen: „Die Gospelmusik und die Texte haben meinen Blick und mein Herz nach oben geöffnet.“ Im Jahr 2008 ließ sich Juliane Lahner dann zusammen mit ihren Kindern taufen.

Schon seit sechs Jahren gibt es den „Lichtenrader Gospelchor“ der evangelischen Kirchengemeinde. Der Chor suchte eine neue Chorleiterin. Ein Chormitglied bekam den Hinweis auf Jule, wußte aber nicht, wie sie zu erreichen war.

Der Postbote wurde angesprochen, Juliane Lahner und ihr Mann wurde aus den Erzählungen heraus beschrieben, und tatsächlich konnte der Briefträger helfen. So stand die Chorfrau eines Tages vor der privaten Haustür und fragte einfach: „Wollen sie unseren Chor leiten? Wir brauchen dringend ihre Hilfe.“ Irgendwie überrollt sah Juliane Lahner aber auch die Herausforderung und ließ sich auf den „Lichtenrader Gospelchor“ ein.

Die jetzige ehrenamtliche Chorleiterin hat den Chor so richtig musikalisch in Schwung gebracht. Seit einem Jahr prägt Jule den Chor mit ihrer professionellen Ausbildung und mit vielen musikalischen Erfahrungen. Heute findet der Lichtenrader Gospelchor über die Bezirksgrenzen hinaus Beachtung.

Die besondere Qualität des Chores, die man gut spüren kann, ist die innere Strahlkraft und die Freude der Sängerinnen und Sänger. „Der Chor gibt mir viel zurück und verzückt mich immer wieder,“ erzählt die Musikerin begeistert. Manchmal, ganz selten, stimmt sie ausnahmsweise auch selbst ein Lied an. Bei den Proben steht der Chor und der Gospel im Vordergrund. Beim Abschiedskonzert eines Workshops im Lichtenrader Gemeinschaftshaus beeindruckte Jule dann auch die Chormitglieder mit ihrer einzigartigen Stimme.

Ob in der Gedächtniskirche beim Gospelchortreffen, bei vielen Stadtteilfesten oder in der Dorfkirche: Der Chor wird von Mal zu Mal spürbar besser. Man trifft sich donnerstags um 18.00 Uhr im Gemeindezentrum in der Goltzstrasse 33 in Berlin-Lichtenrade.

Die Sängerinnen und Sänger sind von 11 bis über 80 Jahren, lachen gemeinsam, reden miteinander, kümmern sich umeinander, klatschen und singen gemeinsam. Und dieses Lebensgefühl macht den Flair des Chores aus. Ein Hauch von Sister Act wehte durch die Lichtenrader Dorfkirche, als der Lichtenrader Gospelchor den aus dem Kinofilm „Sister Act I“ bekannten Gospel ‚Hail Holy Queen’ während des Frühlingskonzertes anstimmte. Lebensfreude, Spaß und Energie pur!

Den Chor und seine musikalische Leiterin konnte man gut bei der Arbeit auf einer öffentlichen Probe beobachten. Anlässlich einer Vernissage der Gruppe „Freies Malen“ zeigte der Gospelchor in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche im Rackebüller Weg sein Können. Eine etwas andere Vernissage, die unter dem Motto „Hören und Sehen – Ein Fest für die Sinne“ gut besucht war.

Der Gospelchor und die Chorleiterin Juliane Lahner sind mittlerweile ein fester Bestandteil in der Lichtenrader Musiklandschaft geworden.

Info: www.julie-sue.de
www.lichtenrader-gospelchor.de

Thomas Moser
www.lichtenrade-berlin.de
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