Edith-Stein-Stadtteilbibliothek in der Briesingstraße

Seit über 10 Jahren erste Anlaufstelle für Leseratten

Seit über 10 Jahren, genau seit Februar 2003 befindet sich die Stadtteilbibliothek Lichtenrade im Bürgerzentrum Christopherus, in der Briesingstraße 6. Die Namensgebung in Edith-Stein-Bibliothek erfolgte am 17. März 2006.

Bibliotheken gibt es schon seit Menschengedenken. Ptolemäus gründete bereits im Jahr 288 vor Christus die Bibliothek von Alexandria. Sie galt als geistiges Wissen der antiken Welt. Anfangs hatten nur Gelehrte,  Wissenschaftler und Philosophen Zugang zu den Bibliotheken. Wissen bedeutete Macht und so blieb dem  einfachen Volk noch lange der Zugang zur Schatzkammer des Wissens versperrt.

Erst im Verlauf des 19.Jahrhunderts entstanden durch den Staat die ersten Nationalbibliotheken in den USA, Großbritannien und Frankreich. In Deutschland hingegen wurde 1825 der „Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig“, aus privaten Mitteln gegründet.

Heute findet man in nahezu jeder Gemeinde öffentliche Büchereien und Bibliotheken, die nicht nur Bücher, sondern auch andere Medien für die Bevölkerung zur Verfügung stellen.

In Lichtenrade wurde die erste Volksbücherei im Jahre 1922, in den Kellerräumen der Käthe-Kollwitz-Grundschule, in der Roonstraße (heute Rehagener Straße) eröffnet. Da sich die finanzielle Situation der Stadt zunehmend verschlechterte, wurden die anfangs noch kostenlos zur Verfügung gestellten Bücher, ab 1924 nur noch gegen eine Leihgebühr ausgeliehen. Auch die Ausleihfristen mussten verringert werden, da immer mehr Menschen Gefallen an der Buchausleihe zeigten.

1955 eröffnete eine zweite Bücherei in der heutigen Annedore-Leber-Grundschule in der Halker Zeile. Hier konnte der Leser erstmals in Tempelhof seine Bücher selbst aus dem Regal auswählen. Aus den längst aus allen Nähten platzenden Räumen in der Roonstraße zog die Bücherei 1963 in die großzügig gestalteten Räume in der Bahnhofstraße 16.

Mit dem Bau des Bildungszentrums Lichtenrade, Carl-Zeiss-Gesamtschule, eröffnete die Stadtbücherei-Mediothek, wo es erstmals möglich war, auch Schallplatten und Kassetten auszuleihen. Mit der Neueröffnung stellte die Bücherei in der Halker Zeile ihre Dienste ein.

1988 wurde am Mittelstufenzentrum allerdings eine Verseuchung durch Asbest festgestellt, die zur sofortigen Schließung und letztendlich zum Abriss des gesamten Gebäudes führte. Im gleichen Jahr wurden Ersatzbauten errichtet, die allerdings sehr beengt waren. 1996 erzwangen Sparmaßnahmen die Schließung der Bibliothek in der Bahnhofstraße. Der gesamte Bücherbestand wurde in die provisorischen Räume am Lichtenrader Damm verlagert.

Das Provisorium nannte sich von nun an Stadtteilbibliothek und war die einzige Medienversorgung in Lichtenrade. Im Jahre 1999 wurde sie an den EDV-Verbund der „Öffentlichen Bibliotheken“ angeschlossen.

2003 konnte die Stadtteilbibliothek Lichtenrade die großzügigen Räume, in der ersten Etage, des ehemaligen Christophorus Kinderkrankenhaus beziehen und wurde 2006 in Edith-Stein-Bibliothek umbenannt.

Wer aber war Edith Stein?

Edith Stein wurde am 12. Oktober 1891 in Breslau geboren und studierte dort 1911 als einer der ersten Frauen in Deutschland Germanistik und Philosophie.

Erst ab 1908 konnten Frauen in Preußen studieren. Ihr Doktorexamen schloss Edith Stein 1918 in  Freiburg mit Auszeichnung ab.

Jeder Versuch, die Lehrerberechtigung an einer Hochschule, durch Anfertigung einer schriftlichen Arbeit zu erhalten, scheiterte daran, dass sie eine Frau und dazu noch Jüdin war. (Erst 1949 konnte sich die erste Frau in Deutschland, an der „Freien Universität“ in Berlin, in Philosophie habilitieren). Mit der 1922 durch die römischkatholische Kirche durchgeführten Taufe bekam Edith Stein als Katholikin die Möglichkeit, als Lehrerin an den Schulen der Dominikanerinnen von St. Magdalena in Speyer zu unterrichten.

1932 wechselte sie zum katholischen „Institut für wissenschaftliche Pädagogik“ in Münster und hielt Vorträge zu Frauenfragen. Unter den Druck der Nationalsozialisten, die ihr als geborene Jüdin das Lehren verboten, trat sie 1933 in das Kölner Kloster der Karmeliterinnen ein und nahm den Namen „Schwester Teresia Benedicta a Cruce“ („die vom Kreuz gesegnete“) an. 1938 siedelte Edith Stein gemeinsam mit ihrer ebenfalls katholisch getauften Schwester Rosa in das niederländische Kloster in Echt über. Aber auch hier waren sie nicht vor den Nationalsozialisten sicher und wurden 1942 nach Auschwitz deportiert und in der Gaskammer ermordet. Noch beim Verlassen des Klosters sagte Edith Stein, die nie ihren jüdischen Glauben aufgab, zu ihrer Schwester: „Komm wir gehen für unser Volk“.

Als erste katholische Märtyrerin jüdischer Herkunft sprach Papst Johannes Paul II. Edith Stein 1987 selig, und im Oktober 1998 heilig. In Berlin erinnert eine Skulptur auf „der Straße der Erinnerung“, ein öffentlich zugängliches Denkmal im Spree-Bogen in Berlin Moabit, an Edith Stein.

Die Ernst Freiberger Stiftung (Ernst Freiberger übernahm von seinem Vater 1976 die Bäckerei für Tiefkühlpizzen die er zum europaweit größten Hersteller von tiefgekühlten Produkten ausbaute.) ehrt Persönlichkeiten, die sich vorrangig in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts in schwierigen Zeiten vorbildlich verhalten haben.

Marina Heimann

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