Das Schmiedehandwerk in Lichtenrade

 

Denkt man heute an eine Schmiede, verfällt man leicht in Nostalgie. Gleich kommen unsAlte Schmiede in Lichtenrade Gedanken an die gute alte Zeit, in der Pferde noch das einzige
Fortbewegungsmittel darstellten, sehen förmlich vor uns den Schmied mit seinem verschweißten Gesicht und können uns das Geräusch des Hammerschlages auf dem Amboss vorstellen.
Romantik? Eher wohl nicht.

Das Schmiedehandwerk, das meist von Generation zu Generation weitergegeben wurde, war ein harter Beruf. Fast jedes Dorf besaß zu damaliger Zeit eine Schmiede. Aus alten Unterlagen geht hervor, dass der Kossäte (Dorfbewohner, die zunächst nur ein Haus und etwas Gartenland besaßen und zu Handdiensten verpflichtet waren) Syman Gysze zu Beginn des 16. Jahrhunderts Dorfschmied in "Lichtenrode" war. Damals war es üblich, dass die Arbeit des Dorfschmieds mit dem "Schäfskorn" beglichen wurde. Das heißt, dass jeder Dorfbewohner, der die Arbeit des Schmieds in Anspruch nahm, ihm im Herbst eine festgelegte Menge Getreide liefern musste. Diese konnte er verkaufen oder für sich selbst verbrauchen. Dies änderte sich vor gut 260 Jahren. Dem damaligen Lichtenrader Schmied gefiel diese Regelung nicht. Er forderte eine richtige Bezahlung für seine Arbeit und zog vors Kammergericht, verklagte alle Bauern und bekam Recht.

Bevor im Jahre 1797 der Schmiedemeister Friedrich Sameisky aus Marienfelde die Schmiede auf dem zwei Morgen großen Grundstück in der Dorfstraße 1-3 (heute Alt-Lichtenrade 92/94) übernahm, wechselten häufig die Besitzer. Die Familie Sameisky führte die Schmiede über 6 Generationen. 1866 ließ Schmied Wilhelm Sameisky das kleine Stallgebäude aus Feldsteinen errichten. 1900 wurde es zum Wohnhaus umgebaut und steht, mittlerweile unter Denkmalschutz, immer noch auf seinem einstigen Platz. Kurz vor dem Tod des letzen Schmiedemeisters Sameisky im Jahre 1958 schloss die Schmiede. Neben der Schmiede entstand eine Autowerkstatt und Sameiskys Sohn lernte Autoelektriker.

Im Jahre 1899 hörte man gegenüber dem Dorfanger einen weiteren Hammer auf einen Amboss schlagen. Pferde warteten auch hier darauf beschlagen zu werden und Kutschen auf ihre Reparatur. Diese Schmiede konnte sich immerhin bis ins Jahr 1967 retten, bevor auch hier endgültig das Feuer erlosch und aus ihr eine Autowerkstatt hervorging.


Wir bedanken uns bei der Autorin
© Marina Heimann www.brueckenpfad.de

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