Lichtenrades Ehrengrab

 

Anders als auf den großen Berliner Friedhöfen, wo sich Ehrengrab an Ehrengrab reiht,Lichtenrader Ehrengrab befindet sich auf dem evangelischen Friedhof in der Paplitzer Straße ein einziges Ehrengrab.
Das Grab, das sich in unmittelbarer Nähe des Glockenturms befindet, gehört dem Schauspieler Max Gülstorff.
Max Gülstorff, 1882 in Tilsit/ Ostpreußen geboren, arbeitete nach Schauspielunterricht bei Hofschauspieler Georg Link, ab 1900 auf deutschen Bühnen, wo er überwiegend komische Rollen übernahm. Angefangen vom neuen Stadttheater in Cottbus, über das Schillertheater in Berlin, holte ihn Max Reinhardt 1915 an das Deutsche Theater.
Ab 1916 versuchte sich Max Gülstorff auch beim Stummfilm, der zu der Zeit immer beliebter wurde. Da der Stummfilm ohne Ton auskommen musste, wurden in den Anfängen ausschließlich Bühnenschauspieler engagiert, da diese durch ihre Arbeit auf der Bühne in der Lage waren ihre Handlungen und Dialoge durch Körpersprache auszudrücken. Unter anderem arbeitete er hier mit dem Regisseur Richard Oswald zusammen.
Im ersten Monumentalfilm der deutschen Filmgeschichte, von Joe May aus dem Jahre 1918 "Veritas Vincit" (auf deutsch: Die Wahrheit siegt), spielt Max Gülstorff neben der Hauptdarstellerin Mia May einen Dieb.

Zum Kleinbürger-Typen entwickelte sich Gülstorff mit Beginn des Tonfilms. Hier schaffte er 1931 seinen Durchbruch unter der Regie von Richard Oswald mit der ersten Verfilmung von Carl Zuckmayers Theaterstück "Der Hauptmann von Köpenick", in der er die Rolle des duckmäuserischen Bürgermeisters von Köpenick, Dr. Obermüller, übernahm. Zuvor spielte er diese Rolle auf der Bühne mit großem Erfolg am Deutschen Theater. 1933-1945 wurde das Stück wie auch der Film von den Nationalsozialisten verboten. (1956 drehte Helmut Käutner unter Mitarbeit von Carl Zuckmayer die Kinoversion mit Heinz Rühmann in der Titelrolle.) An der Seite von Heinz Rühmann verkörperte er 1944 den Oberschulrat auf Schulinspektion in dem Film "Die Feuerzangenbowle".
Als vielbeschäftigter Nebenrollendarsteller in über 130 Filmen gehörte Gülstorff nicht zu den großen Schauspielern jener Zeit.

Max Gülstorff, der Paetsch- Ecke Hohenzollernstraße gewohnt haben soll, verstarb 1947 kurz vor seinem 65 Geburtstag. Er wurde auf dem Lichtenrader evangelischen Friedhof in der Paplitzer Straße beigesetzt. Laut Senatsbeschluss vom 11.02.1952 wurde aus der Grabstelle ein Ehrengrab der Stadt Berlin.


Wir bedanken uns bei der Autorin
© Marina Heimann www.brueckenpfad.de

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