Das "ehemalige" Kinderkrankenhaus Lichtenrade

 

Noch immer wacht der kleine Schutzpatron "Christophorus" über den Eingang des ehemaligen Kinderkrankenhauses an der Briesingstraße.
Wo heute unter anderem die Stadtteilbibliothek "Edith Stein" (Seit 2006 benannt nach der deutschen Philosophin, Nonne und Märtyrerin der katholischen Kirche.) und das Bürgeramt Lichtenrade untergebracht sind wurden noch vor gut 16 Jahren kleine Patienten gesundgepflegt.

Im Herbst des Jahres 1932 kamen "Schwestern von der Barmherzigkeit" aus Heiligenstadt mit dem Vorsatz nach Berlin, mit finanzieller Unterstützung ihres Ordens, der aus einer amerikanischen Stiftung hervorging, hier kranken Kindern zu helfen. Sie benannten das Haus nach dem vor Krankheit und Tod schützenden Heiligen "Sankt Christophorus".
Die offizielle Eröffnung des kirchlich geleiteten Kinderkrankenhauses mit 180 Betten fand am 4. Februar 1933 statt. Der erste "Patient" allerdings war ein kleiner Erden-bürger, der in einer Lichtenrader Wohnlaube voreilig das Licht der Welt erblickte und im November des Vorjahres eingeliefert wurde. Somit wird nicht der offizielle Termin, sondern die Einlieferung des 1. Patienten als Eröffnungstag genannt.

Waren es anfangs, bedingt durch die Zeitverhältnisse, vorwiegend Infektionskrank-heiten wie Diphtherie-, Polio- und Tuberkulosekranke, hierfür standen dank amerikanischer Hilfe immer ausreichend Medikamente zur Verfügung, so spezialisierte man sich nach dem Krieg, ab den sechziger Jahren, zusätzlich auf die ärztliche Versorgung von Frühgeborenen und Risikokindern.

Nachdem im Oktober 1952 die letzten Kriegsschäden beseitigt wurden, erhielt der 75 Meter lange Balkon auf der Südseite (heute Bürgeramt) eine vollständige Glasfassade. Die Fensterwände ließen sich beliebig weit öffnen. Die damit geschaffenen Möglichkeiten zu jeder Jahreszeit Luft- und Sonnenbäder, sogenannte Liegekuren zu ve-rabreichen, kamen insbesondere den Tuberkulose Patienten zu Gute. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr bei den an Tuberkulose erkrankten Kindern konnten Eltern nur zu ihren Kleinen durch eine Glasscheibe Kontakt aufnehmen. Dies änderte sich 1954 mit dem Einbau von Gegensprechanlagen. Zusätzlich erhielt diese Abteilung für die im Winter kommenden Besucher eine mit Heizstrahlern ausgestatte-te überdachte Straße.

In den sechziger Jahren galt das Christophorus Kinderkrankenhaus als eines der mo-dernsten Kinderkrankenhäuser mit separater Abteilung für Frühgeburten und wurde somit zum Vorzeigeobjekt in Deutschland. Nirgendwo gab es eine bessere medizinische Versorgung von bis zu 50 Frühgeburten unter 2500g. Eigens für das benötigte Personal im gesamten Kinderkrankenhausbereich, das bei weitem die Anzahl der Patienten überstieg, wurde 1966 ein separates Schwesternwohnheim gebaut.

Bedingt durch seine Insellage und durch den Rückgang der Geburtenrate kam es 1978 in Berlin zur Schließung einiger Kinderkrankenhäuser. Nur durch den Protest der Bevölkerung und aller im Rathaus Tempelhof vertretenden Parteien konnte eine Schließung des Christophorus Kinderkrankenhauses abgewendet werden. Trotz guter Auslastung des Krankenhauses insgesamt stiegen u.a. die Ausgaben für die Intensivstation von Neugeborenen immens. Hohe Personalkosten für Fachärzte sowie Transporte von Neugeborenen aus ganz Berlin mit einem Spezialfahrzeug ließen 1981 erneut die Diskussion nach einer Schließung bzw. Verlegung ins St. Joseph Kranken-haus nach Tempelhof aufkommen. Zur Sanierung wurde die Bettenanzahl gekürzt und eine Beratungsstelle für Risikokinder sowie eine zahnärztliche Station für behin-derte Kinder eingerichtet. Parallel dazu wurde Anfang der neunziger Jahre im St. Joseph Krankenhaus in Tempelhof mit den Umbauarbeiten einer kombinierten Station für Schwangere und Frühgeborene begonnen. Am 1.6.1995 kam dann das endgültige Aus in Lichtenrade. Nach 62 erfolgreichen Jahren schloss der Träger, die Caritas, das Haus. Zum gleichen Zeitpunkt eröffnete im St. Joseph Krankenhaus in Tempelhof eine neue, moderne und zeitgerechte Einrichtung.


© Marina Heimann www.brueckenpfad.de


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