Der Herthateich

  Früher befand sich der Herthateich am südlichsten Zipfel des Lichtenrader Wäldchens, das sich direkt an den Wald am Fuchsberg, dem Klein-Ziethener Forstgebiet anschloss. Bedingt durch seine Entstehung und Lage beherbergte der Herthateich eine große Artenvielfalt an Pflanzen, galt als beliebtes Ausflugsziel und schmückte etliche Postkarten. Mit dem Bau der Mauer 1961 verschwand der Herthateich und erwachte erst 1992 durch die Umweltinitiative "Teltower Platte" zu neuem Leben……
Zu der Entstehungsgeschichte des Teiches müssen wir in der Zeit weit zurückgehen. Vor rund 10.000 Jahren endete die Eiszeit und hinterließ u.a. sogenannte Todeisblöcke. Diese entstehen durch das nicht gleichmäßige Abschmelzen des Gletschers. Mit Sand und Kies vermischtes Schmelzwasser lagert neben bzw. über dem übriggebliebenen Eisblock und wird somit zu Toteis. Im Untergrund beginnt, mit den gemäßigten Witterungsverhältnissen, das langsame Abschmelzen des Eises und bewirkt das Nachsacken der Oberfläche. Es entsteht ein Toteisloch, das durch den darunterliegenden "Mergel", bestehend u.a. aus Ton, Kies und Sand, den Boden abdichtet. Befindet sich das Toteisloch unterhalb des Grundwasserspiegels, entwickelt sich daraus ein Toteissee.
Dieser nun außerordentlich beliebte Teich, der durch seine reichhaltige Pflanzenwelt als Erholungsgebiet der Berliner bzw. Brandenburger Bürger galt, wurde, da er sich auf Grenzgebiet befand, mit dem Bau der Mauer 1961 kurzerhand zugeschüttet. Mit dem Teich verschwand auch der umliegende Wald am Fuchsberg. Übrig blieb ein Stoppelfeld, auf dem die Grenzanlagern aufgebaut wurden.
Nur wenige Monate nach Öffnung der Grenzen erinnerte man sich wieder an den Herthateich. Zu verdanken ist dies der Umweltinitiative "Teltower Platte", die sich zur Aufgabe gemacht hat die kleinen Erholungsgebiete der Region, die im Schutz der Mauer jahrzehntelang einen Dornröschenschlaf schliefen, wieder zu beleben. Pate für den Namen war die Teltower Grundmoränenplatte, ein Produkt der Eiszeit vor rund 10.000 Jahren. Ganz so einfach sollte sich die Wiederherstellung des Teiches in Verbindung mit der Aufforstung des umliegenden Waldes allerdings nicht gestalten.
Da sich das zur Wiederherstellung befindliche Gebiet zwischen Berlin und Brandenburg befand, mussten Behörden auf beiden Seiten kontaktiert werden. Das Landesforstamt auf Berliner Seite zeigte wenig Interesse und die Gemeinde Großziethen hatte bereits einen Flächennutzungsplan mit anderer Nutzung für dieses Gebiet erstellt. Aber die Umweltinitiative blieb hartnäckig und fand Befürworter und somit auch wichtige Sponsoren für ihr Vorhaben. Nach umfangreichen Messungen und Bohrungen wurden rund 4500 Kubikmeter Erdreich ausgehoben. Das alleine verschlang knapp 60.000 DM, wovon 36.000 DM Fördermittel vom Land Brandenburg zur Verfügung gestellt wurden. Das restliche Geld wurde zusammen mit den Kosten der Neubepflanzung rund um den Teich und die Aufforstung des Klein-Ziethener Wäldchens aus Spendengeldern bezahlt. Die umliegende Bevölkerung meinte es wohl gut, als sie aus ihren Gärtenteichen Fische und Pflanzen zum Herthateich brachte. Keiner dachte wohl, dass er damit den natürlichen Ablauf in der Natur durcheinander bringen könnte.
Doch hier half sich die Natur selbst. Graureiher fanden Geschmack am Fischen im Teich…… Heute zeigt sich der Herthateich für den Besucher, für den ein kleiner Rundweg um den Teich angelegt wurde, als wundervolles geschütztes Biotop mit einer Vielzahl von Pflanzen, eingebettet in eine kleine Waldlandschaft, die durchaus einen Ausflug wert ist.

Wir bedanken uns bei der Autorin
© Marina Heimann www.brueckenpfad.de
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