Hermione von Preuschen

  Einer der schillerndsten Persönlichkeiten Lichtenrades war ohne Zweifel Hermione von Preuschen.
Aber wer war Hermione von Preuschen?
Im Jahre 1869 begann von Preuschen im Alter von 15 Jahren an der Kunstakademie in Karlsruhe das Studium der Malerei. Nach dreijähriger Ausbildung unternahm sie Studienreisen ins europäische Ausland, erste Blumenbilder entstanden.
1882 heiratete sie einen Arzt, von dem sie sich 1889 aber schon wieder trennte um dreißigjährig ihren zweiten Mann, den Schriftsteller Konrad Telmann, ehelichen zu können. Mit ihm verbrachte sie die meiste Zeit in Rom. Nach dem Tod des Ehemanns fand sie 1908 ihr neues Zuhause in Lichtenrade, in der Prinzessinnenstraße 14. Sie kaufte das heruntergekommene Anwesen zu einem recht günstigen Preis, da Lichtenrade damals noch außerhalb von Berlin lag. Ihr gefiel das kleine, weiße Haus mit der Säulenoptik, das sie ausbaute und von nun an "Tempio Hermione" nannte. Ein Jahr später kaufte sie das Nachbargrundstück und errichtete eine eigene Ausstellungshalle für ihre Gemälde. Der bekannte Arzt Robert Koch zählte u.a. bald zu ihren Freunden und Kunden. Sie versuchte sich auch als Schriftstellerin und schrieb u.a. das Buch "Der Roman meines Lebens - Ein Frauenleben um die Jahrhundertwende".
Berühmt wurde sie jedoch durch einen Skandal. Die Frau, die als Erfinderin des "Historischen Stillleben" galt, stellte 1887 dem Vorstand der Berliner Kunstausstellung ihr Bild "Mors Imperator" vor, auf dem ein Herrscher mit Totenkopf abgebildet war. Dieses Bild wurde mit der Begründung zurückgewiesen, es sei eine Anspielung auf den alternden Kaiser Wilhelm und brachte ihr eine Anzeige wegen Majestätsbeleidigung ein. Daraufhin stellte Hermione von Preuschen kurzerhand in einem gemieteten Lokal das Bild selbst aus und erntete unerwarteten Erfolg.
Ihre kämpferische Rede auf dem "Internationalen Kongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen" im Jahre 1896 in Berlin über die schlechte Ausbildungssituation von Künstlerinnen machte sie auch zu einer Frauenrechtlerin in dieser Zeit. Die Frau, die in der Welt weit herumgekommen war und von den Berlinern gern "griechische Morgengöttin" genannt wurde, verbrachte ihre letzten 10 Lebensjahre in Lichtenrade und starb 1918 im Alter von 64 Jahren. Beigesetzt wurde die exzentrische, aber auch zu damaliger Zeit sehr mutige Frau in Rom.
Das Haus "Tempio Hermione" wurde 1996 dem Erdboden gleichgemacht. Ihr zu Ehren wurde in Lichtenrade der "Hohenzollernplatz" 2009 in "Hermione-von-Preuschen-Platz" umbenannt.

Wir bedanken uns bei der Autorin
© Marina Heimann www.brueckenpfad.de
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