Hermann Wundrich

 

Etwas versteckt, südlich vom Dorfteich gelegen, steht eine vom Holzbildhauer Troester geschnitzte Tafel mit dem Namen "Hermann Wundrich Platz". Am 6. Oktober 1978 erhielt die Dorfaue Lichtenrade ihren neuen Namen.

Wer war Hermann Wundrich?

Hermann Wundrich aus Frankfurt/Oder kommend, erlernte das Tischlerhandwerk und arbeitete zunächst als Zeitungsreporter, bevor er 1908, als 20jähriger, nach Lichtenrade umsiedelte. Hier sollte er sich in naher Zukunft einen Namen als Kaufmann für Futter und Düngemittel machen. Er erwarb ein Grundstück in der Geibelstraße und baute darauf eine Laube für den Sommer. Der seit seiner Kindheit mit der Kleintier-und Geflügelzucht vertraute Wundrich hielt auf seinem Grundstück u.a. Hühner, die durch rationelle Fütterung wesentlich mehr Eier legten als anderswo. Zu diesem Zeitpunkt begannen auch die Versuche mit künstlichen Düngemitteln und sein Garten wurde zum Versuchsfeld. Schon damals mussten die Siedler unter schwersten körperlichen Bedingungen Düngemittel aus Berlin nach Lichtenrade holen. Aus dieser Erkenntnis und mit dem stetigen Wachstum der Bevölkerung in Lichtenrade eröffnete Hermann Wundrich 1911 eine Futter- und Düngemittelhandlung in der Prinzessinnenstraße 3. Die erste Tageseinnahme betrug 3,40 Mark.
Im selben Jahr gründete er auch den Geflügelzuchtverein Lichtenrade und wurde dessen Vorsitzender.

Zunächst mit Skepsis von den Dorfbewohnern betrachtet, sprachen sich aber nach und nach die gute Beratung, die große Auswahl auch an Kleintierbedarf und die billigen Preise herum. Nach einem Jahr konnte bereits ein Pferd mit Wagen angeschafft werden und ein weiteres Jahr später waren es schon 4 Pferde und einige Beschäftigte. Die Räume in der Prinzessinnenstraße wurden zu klein und man zog 1913 in die Dorfstraße 8.

Mit dem 1. Weltkrieg ging der Futterhandel zurück, nicht zuletzt wegen Rationalisierungsmaßnahmen. Doch Hermann Wundrich hatte Glück. Seine noch junge Firma wurde vom Gemeindevorsteher und der Heeresverwaltung mit neuen Aufgaben, u.a. umfangreichen Lieferungen, beauftragt. Allerdings ging die Inflation auch nicht spurlos an Hermann Wundrich vorüber. Erst mit der Einführung einer festen Währung ging es langsam, aber stetig bergauf. 1922 bezog er neue eigene Räume in der Dorfstr. 28 (heute Alt-Lichtenrade 129) und baute diese entsprechend für den Verkauf von Futter- und Düngemittel um. Die Gartenarbeit wird bei den alten und den neu hinzugezogenen Siedlern wegen der großen Hungersnot zur Lebensnotwendigkeit. Durch künstliche Düngung und durch Spezialfuttermittel für Geflügel können, dank Wundrichs Erzeugnissen, gute Erträge erzielt werden. Er erhielt auf Ausstellungen und Messen mehrfach Auszeichnungen für seine Produkte. So konnte sich das Geschäft stetig vergrößern. Im Jahre 1927 wurde ein großer Speicher mit Gleisanschluss am Güterbahnhof Mahlow errichtet. Von hier aus belieferte die auf mittlerweile 40 Mitarbeiter angestiegene Firma die Waren mit insgesamt 6 Pferdewagen ins benachbarte Umland. Ein nächster herber Rückschlag kam mit dem 2. Weltkrieg. Im Dezember 1943 zerstörte ein Bombenangriff fast das gesamte Anwesen und nach 1945 ging auch der Speicher in Mahlow verloren. Beim Wiederaufbau nach 1945 wurden die Gartenbesitzer und Tierhalter mit allen notwendigen Waren versorgt. Zwar bildeten weiterhin die Futter- und Düngemittel die Hauptgrundlage des Geschäftes, hinzu kamen im Laufe der Jahre jedoch auch Schädlingsbekämpfungsmittel und Baustoffe.

1951 feierte Hermann Wundrich zusammen mit seinem Sohn, der mittlerweile Mitinhaber der Firma geworden war, sein 40-jähriges Geschäftsjubiläum.
Hermann Wundrich, der in mehreren Vereinen ehrenamtlich tätig war, kümmerte sich auch um die Infrastruktur in Lichtenrade. Er engagierte sich für den Ausbau von Straßen und deren Beleuchtung und für die Verlängerung der Straßenbahnlinie "99" nach Lichtenrade.

Hermann Wundrich war nicht nur ein tüchtiger Geschäftsmann, sondern arbeitete nebenbei als Journalist beim Teltower Kreisblatt und beim Lichtenrader Anzeiger. Sehr angetan von seinem Wohnort Lichtenrade lag ihm die Heimatforschung des Bezirkes am Herzen.

Dank seinen Aufzeichnungen und mit der Herausgabe seines Buches "Vom Bauerndorf zur Gartenstadt" 1961 können nachfolgende Generationen viel über die Geschichte Lichtenrades erfahren.

1972 verstarb er als 87-jähriger.


© Marina Heimann www.brueckenpfad.de


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