Der Güteraußenring durch Lichtenrade

  Autofahrer, die auf dem Lichtenrader Damm stadtauswärts unterwegs sind, wundern sich vielleicht darüber, dass sie zwischen der Goethestraße und der Grimmstraße über einen "Berg" fahren müssen, stadteinwärts der Damm hingegen ebenerdig verläuft.
Schuld daran ist der ehemalige Güteraußenring, der als Eisenbahn-Ringverbindung rund um Berlin mit entsprechenden Abzweigstellen geplant war. Erste Überlegungen gab es dazu schon vor Beginn des 1.Weltkrieges. Nach Beendigung verhinderte die Weltwirtschaftskrise (1928/30) allerdings einen Weiterbau der 1926 ausgebauten Strecke vom neu errichteten Güterbahnhof in Seddin nach Großbeeren an die Anhalter Bahn. Erst kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges wurde eine neue Streckenführung für den Güteraußenring festgelegt
Die 48 km lange Strecke sollte von Teltow über Schönefeld nach Springpfuhl und weiter bis nach Karow führen. Ende 1940 eröffnete die Strecke bereits mit etlichen Abzweigungen, wie zum Beispiel mit einer Verbindungskurve zur Dresdner Bahn nach Lichtenrade-Ost. 1941 wurde diese Strecke von Teltow zweigleisig betrieben und um eine westliche Verbindungskurve zur Dresdner Bahn nach Lichtenrade-West erweitert. Die Position der Gleise entsprach in etwa dem Verlauf der heutigen Kloster-Zinna-Straße über Alt-Lichtenrade bis zum Lichtenrader Damm. Dieser wurde als Umgehungsstraße des alten Dorfkerns erst 1928 gebaut und zum Zweck einer zweigleisigen Untertunnellung zwischen Goethestraße und Grimmstraße aufgeschüttet. Die Durchfahrt war noch bis in die 80er Jahren sichtbar.
Der stadteinwärts führende Lichtenrader Damm wurde erst zu einem späteren Zeitpunkt gebaut und verläuft deshalb ebenerdig. Vom Lichtenrader Damm nahmen die Schienen den Verlauf der heutigen Fontanestraße, die durch die Gartenkolonie erst ab Höhe der Schillerstraße beginnt und nochmals an der Geibelstraße eine Unterbrechung hat. Das zweite Gleis wurde allerdings nach Beendigung des 2. Weltkrieges zu Reparationszwecken demontiert. Kurz nach der Neugründung der Bundesrepublik Deutschland im Juli 1949 gab es noch einen Triebwagenverkehr von Lichtenrade nach Grünau, der aber wenig später wieder eingestellt wurde. Nach der Neugründung der Deutschen Demokratischen Republik im Oktober 1949 wurde der Einfluss Russlands auf die DDR immer stärker. Die Auswirkungen bekam insbesondere der Güterverkehr zu spüren. So wurde unter anderem im Frühjahr 1954 auf Anordnung der Sowjetunion, unter deren Einfluss jetzt die Reichsbahn stand, der gesamte Güterverkehr (ca. 20 Züge täglich) von Lichtenrade zum Außenring eingefroren. Mit dem Bau der Mauer im August 1961 kam das endgültige Aus für die in Berlin-West befindlichen Anschlussstellen zum Güteraußenring.
Der Güteraußenring wurde nur noch in der Sowjetzone befahren und hierfür mehrfach umgebaut. Bis in die 1970er Jahre dienten die Gleise in Lichtenrade noch der Industrie als Anschlussgleise.
Heute erinnern nur der erhöhte Lichtenrader Damm stadtauswärts und die Unterbrechungen an den entsprechenden Straßenzügen (Fontanestraße) an den Güteraußenring.

Wir bedanken uns bei der Autorin
© Marina Heimann www.brueckenpfad.de
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