Vor 100 Jahren gründeten sich die Freiwilligen in Lichtenrade

Freiwillige Feuerwehr: Gott zur Ehr dem Nächsten zur Wehr

In den Dörfern des Kreis Teltows, zu denen auch Lichtenrade bis zur Eingemeindung nach Berlin im Jahre 1920 gehörte, wurden freiwillige Feuerwehren erst um 1900 gegründet. Zuvor wurde der Brandschutz durch Mitglieder der Pflichtfeuerwehren übernommen, die aber oftmals mit den Aufgaben überfordert waren. 1906 erfolgte die Gründung einer „Freiwilligen Feuerwehr“ in Lichtenrade. 1. Vorsitzender der 20 Mann starken Truppe war der Brauereivertreter Paul Richter – wegen des „Durstlöschens“, wie die Lichtenrader Bauern damals witzelten. Drei Jahre später wurde der Bau eines Feuerwehrdepots durch die Gemeinde beschlossen. Auf dem von ihr zur Verfügung gestellten Gelände (Dorfstraße 41a/heute Alt-Lichtenrade 97) entstand bis 1911 durch den Entwurf des Architekten Friedrich Eckler eine Baugruppe, bestehend aus Wachgebäude und Steigeturm im Fachwerkstil, die sich harmonisch der Dorfarchitektur anpasste. Das zweigeschossige Hauptgebäude mit den drei großen Toren beherbergte im Obergeschoss über mehrere Jahre zwei Klassenzimmer der Dorfschule.

Als Löschfahrzeug diente eine mit Pferden bespannte Spritze. Bei Feueralarm mussten die Lichtenrader Landwirte der Feuerwehr ihre Pferde zur Verfügung stellen. Es hält sich das Gerücht, dass die Pferde bei Alarm teilweise eigenständig den Weg zur Feuerwache fanden. Anfangs wurden die Feuerwehrmänner durch Blashörner zur Feuerwache gerufen. 1910 stellte die Mälzerei der Schöneberger Schlossbrauerei eine mit Maschinenkraft angetriebene Sirene zur Verfügung. Diese wurde auf dem Dach der Mälzerei befestigt und war überall im Ort zu hören.

Mit der Eingemeindung Lichtenrades 1920 nach Berlin wurde die „Freiwillige Feuerwehr“ Lichtenrade der Berliner Feuerwehr unterstellt. Sechs Pferde wurden für die Bespannung der Feuerspritze von der Gemeinde angeschafft. Inflationsbedingt wurden diese 1923 aus Kostengründen wieder abgeschafft. Von nun an sollten die Bauern abwechselnd den Gespanndienst an der Spritze übernehmen. Dies gelang aber mit zunehmender Einwohnerzahl und den damit verbundenen vermehrten Einsätzen nicht immer. 1926 erhielt daraufhin die Gemeinde Lichtenrade ihre erste Motorspritze. Fortan waren sie, als einer der ersten Feuerwehren in Berlin mit einer Motorspritze unterwegs, dessen Schlauch aus neuartigem gummiertem Material bestand. 1930 übernahmen die Wehrmänner aus Lichtenrade zusätzlich den Sanitätsdienst des Roten Kreuzes. Die Luftangriffe der Alliierten im 2. Weltkrieg führten dazu, dass die Feuerwehrmänner oft tagelang mit Brandbekämpfung und Aufräumarbeiten beschäftigt waren. Kurz nach Ende des 2. Weltkrieges wurde mühsam, mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln, die Wehr unter der Leitung von Hans Hering wieder offiziell in Dienst gestellt. Erst 1969 nach Protesten von Bürgern über das nächtliche Geheule bei Alarm, das an das Geräusch der Sirenen in den Bombennächten erinnerte, erfolgte die Umstellung in den Vororten von Berlin auf sogenannte „Pieper“ die den Feuerwehrmann direkt über einen Einsatz informieren. Bis Ende der 70er Jahre hatte die Wehr zwei Löschgruppenfahrzeuge und einen Rettungswagen im Fall eines Alarms zu besetzen. Mit steigenden Einsätzen einigte man sich mit der Branddirektion, dass der Rettungswagen über die Berufsfeuerwehr abgedeckt wird. Als einer der ersten Feuerwehren Berlins gründete Lichtenrade 1979 eine Jugendfeuerwehr, diese sich zur Aufgabe stellt bereits junge Menschen für die Arbeit der Feuerwehr zu begeistern und damit den Fortbestand der freiwilligen Helfer zu sichern. So stammen 24 der derzeitigen Kameraden der Lichtenrader Feuerwehr aus der Nachwuchsgewinnung und diese scheint mit derzeit 18 Jugendlichen weiterhin erfolgreich zu sein. (wird fortgesetzt)

Marina Heimann

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