Bis zum Jahr 2004 wurden in der Blohmstraße Büroartikel hergestellt

Ordner aus Lichtenrade mit patentierter Leitz-Technik

SDie Firma „Herm. Herdegen“, die sich mit der Herstellung von Ordnungsmitteln für die Schriftgutablage (Ordnern, Hefter usw.) beschäftigte, wurde 1890 in Stuttgart gegründet. Nach Firmenzusammenschlüssen verlagerte sie einen Teil ihrer Produktion nach Berlin und zog 1937 nach Lichtenrade, in die Räumlichkeiten der ehemaligen Lindcar-Fahrradwerke AG in der Blohmstraße und produzierte hier bis 2004.

Bereits 1871 gründete Louis Leitz, nach dem Motto „Ordnung braucht Ordnungsmittel“, sein Unternehmen in Stuttgart. Nun stammt allerdings nicht wie man vermuten würde die Erfindung des heutigen gebräuchlichen Aktenordners von Louis Leitz. Den erfand 1886 ein gewisser Friedrich Soennecken aus Bonn (späterer größter Konkurrent von Leitz in Deutschland, den er 1967 übernahm), als „Briefordner“ zum Verkauf angeboten. Louis Leitz entwickelte den Ordner weiter und ließ diesen 1893 als Leitz-Ordner, mit seiner noch heute in den Ordnern verwendeten Hebelmechanik, patentieren. Diese Mechanik ließ es zu, dass jedes Blatt an jeder beliebigen Stelle ein- bzw. ausgeheftet werden konnte. Diese Erfindung war bahnbrechend.

Hermann Herdegen startete zum Jahreswechsel 1889/90 seine Firma, die sich ebenfalls mit der Herstellung von Ordnungsmitteln beschäftigen sollte. Das Unternehmen erhielt von Leitz ein Mitbenutzungsrecht für die Hebelmechanik in ihren Ordnern und wendete sie erstmals beim Briefordner „Merkur“ an.

Aus der Fusion Herdegens im Jahre 1919 mit den Firmen Briefordnerfabrik Aberle und Brink bzw. der Papier- und Lederwarenfabrik Palfa-Werke entstand 1924 das Unternehmen „Herm. Herdegen oHG“. Der Betrieb mietete sich mit seiner Produktion in ehemalige Flugzeughallen in Berlin-Adlershof ein. Ende 1920 sind 500 Mitarbeiter in der Produktion beschäftigt. Doch mit der Weltwirtschaftskrise kam auch, wie für viele andere Firmen, das Aus. 1932 musste die Firma Herdegen oHG Konkurs anmelden.

Die Firma Leitz übernahm indes seit den 1920er Jahren immer mehr seiner Mitkonkurrenten. Dem Konkursverwalter der Firma Herdegen ist es letztendlich zu verdanken, dass er Louis Leitz auch für eine Beteiligung an Herdegen gewinnen konnte. 1937 erwarb das gerettete Unternehmen das rund 32.000 m² große Gelände, der ehemaligen Versuchsanstalt der Reichsmarine bzw. der Lindcar-Fahrradwerke AG in der Blohmstraße in Berlin-Lichtenrade. Im Zweiten Weltkrieg bombardierten die Alliierten die Werkshallen, in der Annahme, dass dort die Reichsmarine immer noch geheime Versuche tätigten. 90 Prozent der Werksanlagen waren zerstört.

1945 begann man mit der Wiederaufnahme der Fertigung in den behelfsmäßig hergestellten Fertigungshallen. Man konzentriert sich auf die Herstellung von Pfeifenbestecken, Zigarettenrollen und Lockenwickler. Wer Ordner  kaufen wollte, musste hierfür das benötigte Material selbst mitbringen. 1952 erfolgt der Neubau einer 750 m² großen Halle.

Louis Leitz erwirbt in den folgenden Jahren weitere Firmenanteile und übernimmt 1956 den Betrieb komplett und setzt somit den Grundstein für das neu geordnete Unternehmen für Organisationsmittel und Registraturbedarf. Die Firma Herdegen fungiert nun als selbstständiges Tochterunternehmen und wird in mehreren Bauabschnitten kontinuierlich auf- und ausgebaut. 1963 erwirbt das Unternehmen das Nachbargrundstück und kann somit über 25.000m² zusätzlicher Fläche verfügen.

1991 entsteht im 6. Bauabschnitt ein dreigeschossiger Hochbau mit insgesamt 4000 Quadratmetern Nutzfläche. In den oberen Etagen waren die technischen Büros und die Konstruktion und Entwicklung untergebracht. Die unteren Etagen dienten der Fertigung und im Keller befanden sich die Energieversorgung und die Sozialräume.

1998 wird die Traditionsfirma Louis Leitz aus strategischen Gründen für 580 Millionen DM an den schwedischen Esselte-Konzern verkauft und übernimmt dort den Bereich Office Products. Der Konzern firmiert fortan unter den Namen „Esselte Leitz GmbH & Co KG“ als weltweit größter Büroartikelhersteller. 2004 wurde die Produktion von Büroartikel der Firma Herdegen in Lichtenrade eingestellt.

In den Fabrikationshallen in Lichtenrade wurden über 200 Artikel aus Metall, Karton und Kunststoffe produziert. Hierzu zählten u.a. Ordner und Hefter.

Zurzeit nutzt eine Firma, die sich mit Kosmetikgeräten und Kosmetikstudioeinrichtungen beschäftigt, die Räumlichkeiten.

Marina Heimann

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